Ewige Ruhe: Jüdischer Friedhof Weißensee

Berlin – ein Konglomerat aus Dörfern, Kleinstädten, Mietskasernen, Plattenbauten und einer Glas-Beton-City. Rundherum Wälder, dazwischen Parks und zahlreiche Friedhöfe. Beim Durchstreifen dieser Begräbnisstätten gibt es zwischen dem geschäftigen Treiben der gießkannenschwenkenden Besucher wiederholt Überraschendes, Erstaunliches und auch Seltsames zu entdecken. Interessante Denkmäler, schöne Skulpturen, phantasievoller Grabschmuck und die leuchtenden Farben der frischen Blumen.

Anders muten jüdische Friedhöfe an. In der Hauptstadt gibt es derer vier, von denen zwei seit Kriegsende geschlossen sind. Beisetzungen finden noch auf dem Waldfriedhof in der Heerstraße und in Weißensee statt. Bei einem Ausflug sollte man bedenken, dass jüdische Friedhöfe samstags für gewöhnlich geschlossen sind. Im jüdischen Glauben ist der Sabbat (Freitag- bis Samstagabend von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang) ein Ruhetag, an dem nicht gearbeitet werden darf. Ebenfalls sollten männliche Besucher nicht vergessen, ihr Haupt zu bedecken. Das muss nicht mit der traditionellen Kippa geschehen – eine Wollmütze beispielsweise ist ausreichend.

Jüdischer Friedhof Weißensee

Zum Gedenken an die jüdischen Opfer in den vielen Konzentrationslagern wurde im Eingangsbereich ein schlichtes Rondell angelegt. Ein paar Minuten des Nachdenkens erinnern an die dunkle Geschichte dieses Landes.

Der Jüdische Friedhof in Weißensee ist alt und präsentiert sich in gewisser Weise dunkel. Und er hat große Ausmaße. Die Bäume sind riesig. weiter lesen »

Winterlandschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bißen Speise,
so gräbt er, glaub’ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.“

Friedrich Hebbel
1813-1863
deutscher Lyriker

Winter
 
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Winter

 

Apokalyptische Klangbilder: Silent Scream

Silent Scream - Public ExecutionDas Cover lässt irgendwie erschaudern. Nicht weil sich die authentische Schwarz-Weiß-Aufnahme als oberflächlich grausam darstellt, sondern aufgrund des eigenen Kopfkinos. Die zu sehenden Soldaten verheißen nichts Gutes. Ein unangenehmes Gefühl beschleicht den Betrachter. Verstärkt wird dieser Eindruck durch einen am Boden kauernden Krieger. Worte im Innenteil der Papphülle informieren: Das Bild wurde während des zweiten Weltkriegs wenige Sekunden vor der Hinrichtung eines desertierten finnischen Soldaten aufgenommen. Und mir wird wieder einmal bewusst, dass Krieg seine eigenen kranken und menschenverachtenden Gesetze hat.

Auch die Klangwelten von „Public Execution“ sind alles andere als leichte Kost, die sich auf Anhieb ergründet. Die Qualitäten eröffnen sich nach und nach. Die elf Titel sind dunkel, aggressiv, beinahe apokalyptisch. Mit einer gewissen Untergangsstimmung – passend zur momentan stattfindenden Medienberichterstattung: Klimakatastrophe, Meteoriteneinschläge. Alle denkbaren Szenarien eines Weltuntergangs werden durchgespielt und „analysiert“. weiter lesen »

Verdun

Für diesen Namen, diese Ortsbezeichnung, gibt es nur eine Assoziation: Krieg. Und dessen Gräuel. Um Verdun tobten mehr als einmal Schlachten, doch vor allem die Bilder des letztendlich in seiner Gänze unvorstellbaren Stellungskampfs während des 1. Weltkriegs tauchen vor dem geistigen Auge auf. Allein in und um Verdun forderte dieser Krieg Hunderttausende Opfer.

Turm des Beinhauses von DouaumontVerdun – heute befindet sich hier ein imposanter, lang gestreckter Bau mit einem Turm von durchaus phallischer Symbolik. Mit einem riesigen Parkplatz scheint man auch für größere Besucherströme gerüstet zu sein. Die Flächen um das Gebäude werden momentan „renoviert“ – weiße Kreuze liegen fein säuberlich gestapelt und verpackt am Rand, der Boden ist aufgerissen. Nur noch ein kleiner Teil lässt die Masse an in Reih und Glied stehenden Kreuzen erahnen. Zum Jubiläumsjahr 2016 (1916 war die größte Schlacht an dieser Stelle) soll die Gedenkstätte ein geschöntes Bild geben. Dieses riesenhafte Totenfeld, mit teilweise noch vorhandenen Grabkreuzen, dazwischen Baufahrzeuge und zusammen geschobene Haufen schwarzbrauner Erde – ein seltsamer, berührender und trauriger Anblick. weiter lesen »

Das Pariser Panthéon

PantheonAuf dem Pariser Stadtplan sind nur wenige Orte markiert, die ich nach Möglichkeit unbedingt besuchen möchte. Eine Markierung gilt dem unterhalb der berühmten Pariser Kirche „Notre Dame“ zu findenden Pantheon. Ursprünglich als Basilika geplant und eingeweiht, wurde der Bau im Verlauf der französischen Revolution zur nationalen Ruhmeshalle umgewandelt. Während des 19. Jahrhunderts fand das Gebäude zweimal zu seiner anfänglichen Bestimmung als christliche Stätte zurück, ehe es endgültig zum Nationaltempel wurde, in dem die Franzosen ihre Helden beisetzen und ehren.

Das Pantheon ist ein beeindruckendes Bauwerk. Ein hoher Metallzaun grenzt Vandalen aus. Die mächtigen Freitreppen lösen schon beim Erklimmen so etwas wie eine ehrfürchtige Grundstimmung aus, bevor der mächtige, ans antike Griechenland erinnerte Säulenvorbau mit Deckengemälde und Reliefs den Eingang durch ein breites Portal freigibt.

Mächtige InnenansichtNach dem Betreten der unendlich hohen sonnenlichtdurchfluteten Kuppelhalle bin ich erst einmal sprachlos und lasse das Monumentale auf mich wirken. Die Kamera bleibt – noch – im Rucksack. Auch die seitlich angeordneten großen Wandgemälde zur Geschichte Frankreichs lasse ich – vorerst – links liegen. Hier und da wird hinter Absperrungen restauriert. Was teilweise auch bitter nötig ist. Vorbild für diesen Bau ist der einzig erhalten gebliebene antike Kuppelbau, das Pantheon in Rom. Ebenso wollte der Architekt mit dem Petersdom rivalisieren. Mein Weg bringt mich direkt zu einer schmalen Wendeltreppe, die hinab in die Krypta führt. weiter lesen »