Kategorie: Bühnengraben

Cold Insanity Festival meets Desperate Society

Wie im Beitrag „Schwarze Romantik“ bereits erwähnt trafen sich am 1. Dezember in Frankfurt Leser des Spontis-Blog unter dem Motto „Kunst & Musik“. Nach der Ausstellung „Schwarze Romantik“ stand noch ein gemeinsamer Konzertbesuch im „Bett“ auf dem Programm. So seltsam und amüsant der Name des Clubs, so seltsam und amüsant gestaltete sich auch die Fahrt zum Club:

Dass der Programmierer meines Navigationsgeräts ein sehr humorvoller Mensch sein muss, war mir längst bewusst. Zu oft war die weibliche Stimme, welche den Weg weisen sollte, bereits in der Vergangenheit zu „spaßigen“ Ansagen aufgelegt. Doch der Stadt Frankfurt am Main scheint der Entwickler besondere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Wahrscheinlich wurde das Straßennetz der Mainmetropole mit dem der gleichnamigen, jedoch an der Oder liegenden Stadt im Osten der Republik mit einem hämischen Grinsen vermischt. Zumindest zeugten die widersprüchlichen Anweisungen auf dem Weg von der Innenstadt zum Club „Das Bett“, in dem die anvisierte Veranstaltung stattfinden sollte, von einer Verwirrtaktik, der kaum zu folgen war. Im Sekundentakt änderte sich die angegebene Richtung. „Links abbiegen“ wurde durch ein lockeres „Rechts abbiegen“ ersetzt, um gleich anschließend ein „Bitte wenden“ hinterher zu schieben. Letztendlich wartete ich nur noch auf ein höllisch-hämisches Lachen. weiter lesen »

Henke & Gäste – ein beeindruckender Auftritt

Glashaus, Bayreuth, 20.07.2012

Die Karten waren heiß begehrt. Schon Monate vorher wurde das Konzert von „Henke & Gäste“ als ausverkauft verkündet. Letztendlich kein Wunder, sollte es doch ein besonderes Konzert mit vielen Klassikern von „Goethes-Erben“ werden.

Lisa MorgensternDoch bevor Oswald Henke gemeinsam mit seinen Musikern die Bühne betrat, stimmte Lisa Morgenstern das Publikum eindrucksvoll ein. Zumindest jene, die sich auf die verletzlich und doch irgendwie stark wirkende Frau einließen. Keine „beschützende“ Band an der Seite. Nichts außer der puren Stimme und der Tasten des elektronischen Pianos. Leider musste die Musikerin mehrmals um Ruhe beten. Schade eigentlich, dass hier einige Konzertbesucher ihren Redeschwall nur schwer kontrollieren konnten und so den Respekt vor der Musikerin und den interessierten Zuhörern vermissen ließen. Trotzdem war es eine angenehme und gelungene Eröffnung des Abends. Insbesondere eine vertonte Nachricht an den Tod konnte sich bei mir „eingraben“:

Lisa Morgenstern – Lieber Tod
16.06.2012, Periplaneta, Berlin
Quelle: YouTube

Eine gewisse Spannung und große Vorfreude lagen in der Luft, als nun die kleine Bühne für den Auftritt von „Henke“ vorbereitet wurde. Vor selbiger lagen Kissen, auf die sich längst der eine oder andere Konzertbesucher niedergelassen hatte. Oswald HenkeSo kamen auch einige mit dem Handicap einer eher unterdurchschnittlichen Körpergröße in den Genuss das Minenspiel des Oswald Henke mitzuverfolgen. Er lebt seine Texte immer aufs Neue und nimmt das Publikum dadurch mit auf eine rasante Reise durch seine Gefühlswelten. Wut, Verachtung, diabolische Freude, Liebe und Trauer toben sich in den Gesichtszügen des Sängers aus. Wobei sich die Auslebung seiner Emotionen nicht auf die Mimik beschränkt, sondern die Titel mit vollem Körpereinsatz dargeboten wurden. So kauerte er sich wiederholt lauernd wie ein Raubtier auf ein Potest, sprang wild umher und stürzte sich in die ersten Reihen. weiter lesen »

Mein WGT 2012: Zwischen todbringendem Federvieh und der Erkenntnis, dass schwarz manchmal nicht dunkel genug ist

Pfingsten. Leipzig. Wave-Gotik-Treffen. Wie so oft im Leben gibt es auch hier zwei Seiten. Scheinbar oberflächliche Menschen, die das WGT einzig besuchen, um sich außerhalb der offiziellen Karnevalszeit verkleiden zu können. Die den Bereich vor der Agra – dem „Zentrum“ der auf die ganze Stadt verteilten Veranstaltung – als Laufsteg nutzen. Menschen, mit denen man keine drei Worte wechseln möchte und die das mediale Bild als falsches Zerrbild prägen. Dem gegenüber steht an vielen Orten in Leipzig eine besondere Atmosphäre. Magisch, zauberhaft, ursprünglich, hin und wieder auch ein wenig rebellisch und: schwarz. Mit Menschen, deren Stimmen und Aussagen man gerne lauscht. Menschen, die man gerne betrachtet. Ein Gegenpol zur schrill-bunten Konsum- und Spaßgesellschaft. Glücklicherweise prägen die unterschiedlichsten Begegnungen mit Menschen der zweiten Gruppe das Bild meines WGTs.

Donnerstag: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Höhepunkte gab es zahlreich. So war es eine große Freude, am Donnerstag Nachmittag auf der Empore des Agra-Cafés einige meiner Bilder aufzuhängen und zu späterer Stunde und auch bei weiteren Aufenthalten im Café zu beobachten, dass sich eine nicht unwesentliche Anzahl von WGT-Gästen die Zeit nahm, sich auf die Bilder einzulassen, darüber zu diskutieren und die darunter platzierten Zitate zu lesen und nicht nur flüchtig am Präsentierten vorbeizueilen. Ob die Bilder bei dem einen oder anderen Besucher einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wird sich – hoffentlich – zeigen… weiter lesen »

Erinnerungen aus der Altkleiderkiste

Als kleine Einstimmung auf das schon in wenigen Tagen beginnende Wave-Gotik-Treffen 2012 im Folgenden das „Vorwort“ des Pfingstgeflüster 2007.

Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.“

Marcus Valerius Martialis
ca. 40-102
römischer Dichter

Gefangen in Dunkelheit. Schwärzer als jede Nacht. Erdrückend lässt die Finsternis mir kaum Platz zum Atmen. Ein plötzliches Knarren der Treppendielen zum Dachboden durchbricht die Stille. Angenehme Lichtstrahlen fallen in meine Gruft, welche seit geraumer Zeit mein Zuhause ist. Sie strecken ihre Fühler nach mir aus. Sauerstoff umströmt mich. Oh, Sonnenschein, schöner Sonnenschein – niemals hätte ich gedacht, Dich so vermissen zu können. Ein älteres, mir vertrautes und ein jüngeres unbekanntes Augenpaar mustern meine Erscheinung. Trotz der vielen Momente abseits des Lebens scheine ich noch eine beachtliche Ausstrahlung zu besitzen. Ich vernehme Wortfetzen wie „vor 16 Jahren“, „als ich so jung war wie Du heute“ und „cooles Teil“. Ach ja, ich erinnere mich noch gut. weiter lesen »

A Joy Division Celebration

Peter Hook & The Light
13.02.2012, K17, Berlin

Da ausnahmsweise der öffentliche Berliner Nahverkehr ohne jegliche Zwischenfälle reibungslos seine Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit erledigte, war ein unplanmäßig überpünktliches Eintreffen am K17 die Folge. Überraschenderweise wartete schon eine große Menschenmenge auf Einlass. Vielleicht hoffte der eine oder andere auch noch auf ein Ticket – doch das bisher überhaupt erst zweite Konzert unter dem Titel „A Joy Division Celebration with Peter Hook & The Light – Unknown Pleasures“ auf deutschem Boden (das erste fand wenige Tage vorher in Nürnberg statt) wurde schon im Vorfeld als restlos ausverkauft gemeldet. Doch dies war alles andere als überraschend oder verwunderlich. Sollte doch kein Geringerer wie der Bassist von „Joy Division“ – Peter Hook – auf der Bühne stehen und gemeinsam mit seiner Band die alten, aber keineswegs angestaubten Klassiker live zum besten geben. Auch über drei Jahrzehnte nachdem sich Ian Curtis, Sänger der legendären „Joy Division“, das Leben genommen hat, ist die Faszination für die melancholisch-dunklen und basslastigen Klänge dieser Ausnahmeband ungebrochen. Zahlreiche Musiker wurden durch das Album „Unknown Pleasures“ in den vergangenen 33 Jahren inspiriert. Ebenso zahlreich ziert das schwarz-weiße Albumcover T-Shirts, Buttons und Jacken.

Peter Hook & The Light

Zugegeben: Ohne Peter Hook hätte an diesem Abend wohl eine beliebige Coverband auf der Bühne gestanden, doch so war ein besonderer Zauber von Beginn an spürbar, der das Flair der Übergangszeit von Punk zu Post Punk zumindest im Ansatz erahnen ließ. Originale Filmaufnahmen verkürzten die Wartezeit und steigerten die Spannung. weiter lesen »