Kategorie: Kopfarbeit

Gesichter des Wave-Gotik-Treffens – 10 Jahre Pfingstgeflüster

Pfingstgeflüster

Während das Wave-Gotik-Treffen seinen 25. Geburtstag begeht, feiert das „Pfingstgeflüster“ das Erscheinen seiner zehnten Ausgabe. Regelmäßig einige Wochen nach dem Wave-Gotik-Treffen blickt dieser Bild-Text-Band auf das umfangreiche Geschehen während der Pfingsttage in Leipzig zurück.
Anlässlich dieses Jubiläums habe ich vom 13. bis 16. Mai 2016 die große Ehre, im Foyer des ersten Stocks des Grassi Museums 38 Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu zeigen. Hierbei handelt es sich um ausgewählte Porträts von Besuchern des Wave-Gotik-Treffens, die ich im Laufe meiner zehnjährigen Tätigkeit als Fotograf und Herausgeber für das „Pfingstgeflüster“ an besonderen Orten in Leipzig angefertigt habe.

Der Eintritt zu dieser Sonderausstellung ist frei (und somit auch ohne WGT-Bändchen möglich). Für andere Ausstellungsbereiche des Grassi Museums wird hingegen eine Museumseintrittskarte oder ein WGT-Bändchen benötigt.

Ausstellungsplakat

Die 48. Hofer Filmtage – nachhallend und gedankenvoll

Hofer Filmtage 2014Oktober. Die Tage werden kürzer. Die Temperaturen sinken. Dicke Jacken, Pullover, Schals und Handschuhe bestimmen zunehmend den Kleidungsstil. Und in den beiden Hofer Lichtspieltheatern werden traditionell Filme gezeigt, die man zuweilen höchstens auf ARTE oder im Nachtprogramm der öffentlich rechtlichen Anstalten findet. Sofern man Glück hat.

Bereits zum 48. Mal hießen die Internationalen Hofer Filmtage Produzenten, Filmemacher, Darsteller und vor allen Dingen Zelluloidjunkies aus der ganzen Welt für sechs Tage willkommen. Und auch ich, der ich alles andere als ein begeisterter Kinogänger bin, folge dem Ruf und lasse mich einmal im Jahr von einer Fülle an unbekannten und zumeist bisher allenfalls auf anderen Festivals gezeigten Filmen anlocken und gelegentlich auch inspirieren. Sei es thematisch, atmosphärisch oder visuell.

So sind es mitunter die ruhigen, gedankenvollen Filme, die Spuren hinterlassen. Nachdenklich stimmen. Und einige Tage „nachhallen“.

The Farewell Party

„The Farewell Party“ ist ein Spielfilm über das Altern und das Sterben. Und Selbstbestimmung. In erster Linie aber über Freundschaft und die Frage, ob man für einen Freund Grenzen überschreiten würde. Würde man einem totkranken, leidenden Freund seinen Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende erfüllen? Sterbehilfe – nicht nur in Deutschland heiß diskutiert.

Der israelische Film nähert sich diesem Thema auf humorvolle Art und Weise, ohne dabei ins Lächerliche zu driften. Es sind mitfühlende Szenen zwischen Lachen und Weinen. Zwischen Lebensfreude und Todeswunsch. Wobei nicht der Tod im Zentrum steht, sondern das Ende des Leidens.

Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Senioren. Im Mittelpunkt steht Yehezkiel, ein 72jährigen Tüftler und Bastler. Gemeinsam mit einem ehemaligen Tierarzt und einem pensionierten Polizisten möchte er einem Freund das Sterben erleichtern. Seine Frau Lavana, die an Demenz leidet, ist anfänglich gegen die Euthanasie. Doch mit zunehmender Verschlimmerung ihrer Krankheit ändert sich ihre Meinung…

Trotz dieses Themas sind es die ausgestrahlte Lebensfreude und die kleinen Freundschaftsbeweise, die den Film so sehenswert machen und dem Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.

Der letzte Tanz

Auch „Der letzte Tanz“ handelt vom Alter. Und von einer Gesellschaft, die dem Alter nicht viel Raum bewilligt. Eine Gesellschaft, die nicht bereit ist, alten Menschen die nötige Zeit und Aufmerksamkeit zu gewähren. weiter lesen »

Schon unser Heut ein Gestern ist

Im Rahmen des Nocturnal-Culture-Night-Festivals in Deutzen bei Leipzig stelle ich vom 06. bis 08. September den Fotobildband „Schon unser Heut ein Gestern ist“ in Form einer Ausstellung vor. Ausgewählte Bilder sollen einen Einblick in das Gesamtwerk geben.

Der Klappentext:
Für seinen zweiten Bildband begab sich Marcus Rietzsch auf die Spuren des alltäglichen Verfalls, dessen außergewöhnlicher Zauber abgeschirmt hinter Absperrzäunen und mit Brettern vernagelten Fenstern auf neugierige Entdecker wartet. Dem Betrachter bietet sich ein in Bildern festgehaltener Streifzug durch die gegenwärtige Vergangenheit. Sichtbar die Zeit, die wie ein Mühlstein der Geschichte an Mauern, Türen, Wänden und zurückgelassenen Gegenständen nagte. Verwaiste Objekte, aus denen das menschliche Leben verschwunden ist. Doch die Erinnerungen und Geschichten klammern sich geisterhaft an morsche Treppengeländer oder materialisieren sich in lichtdurchfluteten leeren Räumen. Eine perfekte Ergänzung finden die bildhaften Gedanken über Vergessen, Vergangenheit, Erinnerung, Leben, Geschichte und Geschichten in individuell gestalteten Zitaten von Christian Morgenstern, Franz Kafka, Jean Paul, Friedrich von Schiller und anderen.

Streng limitiert auf 499 Exemplare!

Softcover
Edition Subkultur
132 Seiten, 19 x 27 cm
ISBN: 978-3-943412-03-1
Erscheinungstermin: 06.09.2013

Erhältlich u.a. über: www.shop.t-arts.de

Schwarz…

Ein Besuch im Museum für Sepulkralkultur

Sepulkralkultur? Auch mir war dieser Begriff bis zur Planung eines Ausflugs in das Museum nach Kassel unbekannt. Doch das Universallexikon gab Aufschluss:

se|pul|kral [lat. sepulcralis = zum Grabe gehörig]
(veraltet): das Grab[mal] od. Begräbnis betreffend.

Die Internetseite des Museums liefert weiteres Wissen:

Der Begriff Sepulkralkultur (…) bedeutet Grab, Grabstätte und umfasst alle kulturellen Erscheinungen im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Bestatten, Trauern und Erinnern: Gräber, Särge und Bestattungsriten und -bräuche, auch Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler und kann so im weitesten Sinne auch als Trauer- und Begräbniskultur verstanden werden.
In der Sepulkralkultur spiegeln sich der kulturelle Stand, die religiöse Einstellung, das Verhältnis zu Geschichte und Natur, die soziale Haltung sowie künstlerisches und kunsthandwerkliches Niveau einer Epoche. Kein anderes Wort umfasst dieses Gebiet so vollständig wie der Begriff Sepulkralkultur, für die Initiatoren ein wichtiger Grund, Institut und Museum so zu benennen.“

Das Sterben und der Tod, Begräbnisriten früher und heute ruft nicht jedermanns freudiges Interesse hervor. Gedanken, die meistens verdrängt werden. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist grausam – jedoch unausweichlich. Und so widmet sich das Museum für Sepulkralkultur dem Unabwendbaren. Dem unterschiedlichen Umgang mit der Trauer und dem Schmerz. Und der verschiedensten Art und Weise, wie der Toten gedacht und die Erinnerungen bewahrt werden. weiter lesen »

Schwarze Romantik

Robert vom Spontis-Blog lud Leser, Kommentatoren, Freunde zu einem kleinen kulturellen und musikalischen Treffen nach Frankfurt ein. Dieser Einladung folgte ich gerne, interessierte mich die auf dem Programm stehende Ausstellung „Schwarze Romantik“ doch sehr. Vor Betreten des Museums wurden bekannte und unbekannte Gesichter, die Roberts Ruf ebenfalls gefolgt waren, begrüßt. Anschließend wurden die zahlreichen bildgewordenen Abgründe per Führung oder auf eigene Faust entdeckt.

Ich habe weder Angst vor Hexen noch vor Poltergeistern, Gespenstern, Prahlern, Riesen, Taugenichtsen, Bösewichten etc. Ich fürchte keine Kreatur außer einer: den Menschen.“

Francisco de Goya

Der folgende Gastbeitrag von Edith soll einen Einblick in die „Schwarze Romantik“ geben:

Als Berlinerin kenne ich die Busladungen, die vor dem Pergamon-Museum eintreffen. Beispielsweise. Andere Museen in der Stadt zieren sich meist ebenfalls mit langen Menschenschlagen. Nun begab ich mich aber ebenfalls als „Touri“ in eine fremde Stadt und besuchte ein Museum.

Und das nur aus dem einem Grund: „Schwarze Romantik“. Schwarz bin ich sowieso. Romantisch auch noch. Eine Gemäldesammlung, die sich ausschliesslich der Darstellung des Düsteren, Furchteinflössenden, Romantischen widmet, weckte in mir höchstes Interesse.

Das Städel-Museum ist zwar mit seinen über 2.900 Gemälden, 600 Skulpturen, 500 Fotografien und etwa 100.000 Zeichnungen und Graphiken auf jeden Fall einen Besuch wert – aber Frankfurt am Main ist nun nicht gerade vor der Haustür. So musste erst diese Lockung einer Sonderausstellung her, um die Reise vor dem eigenen Geldbeutel zu rechtfertigen.

Auf der Internetseite des Museums ist das Hintergrundbild dieser Ausstellung schon ein gutes Beispiel für das zu Erwartende: eine karge Landschaft, in der eine Reihe düsterer Mönche einem im Nebel verschwindendem Ziel zustrebt. Still, zurückhaltend und phantasieanregend.

Ernst Ferdinand Oehme - Prozession im Nebel
     Ernst Ferdinand Oehme (1797–1855)
     Prozession im Nebel, 1828
     Öl auf Leinwand, 81,5 × 105,5 cm
     Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

In Deutschland erst- und einmalig widmet sich „Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ der dunklen Seite der Romantik und ihrer Fortführung im Symbolismus und Surrealismus. Es gilt, über 200 Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien zu entdecken. weiter lesen »