Kategorie: Seziertisch

Rest In Peace – Ein Dokumentarfilm von Andrea Morgenthaler

Bilder scheinbar endloser Reihen mumifizierter Leichen. Stehende und liegende Körper in kühl-blauer Atmosphäre. Vermeintlich grinsende schiefe Schädel, Gesichter zu einer Fratze verzogen, dunkle Augenhöhlen, aufgerissene Münder, Kleidungsfetzen verhüllen die Körper. Beschwingt-heitere Musik untermalt die Szenerie. Beeindruckende, schöne und friedliche Bilder. Eine ruhige Stimmung ausstrahlend. Und so natürlich. Rest in peace. Ruhe in Frieden.

Was geschieht nach dem Tod? Dieser oft gestellten Frage nähert sich der Film „Rest In Peace“ weniger aus religiöser oder spiritueller, als vielmehr aus einer praktischer Sichtweise. Welche unterschiedlichen Wege gehen die sterblichen Überreste? Die Antworten sind vielfältig.

Im Gegensatz zu den einleitenden Bildern aus der Kapuzinergruft in Palermo lässt mich die Arbeit des New Yorker Bestatters Isaiah Owens frösteln. Watte wird unter die Augenlider gestopft. Botox in schlaffe Gesichtspartien gespritzt. Ein letztes Mal wird der Sitz der Frisur geprüft, ehe die Trauergemeinde Abschied nehmen kann. Isaiah Owens: „Ich sorge dafür, dass die Leute so aussehen, als wären sie im Himmel.“ Für die Hinterbliebenen sicherlich ein tröstlicher Anblick, mich überfällt trotzdem ein unschöner Schauer, erscheint mir das Herrichten doch irgendwie überaus befremdlich. weiter lesen »

Winter Severity Index – fragiles Klanggewand aus Italien

Winter Severity Index? Bis vor wenigen Tagen war mir diese Band aus Italien vollkommen unbekannt. Italien… Meine ersten – positiven – Gedanken schweifen Richtung atemberaubender Friedhöfe mit vielfältigen Skulpturen und beeindruckenden Mausoleen. Die negativen Assoziationen (schlecht gekleidete Touristen und ein Staatsoberhaupt, das 17 Jahre sein Unwesen treiben durfte) hingegen sind nach den ersten Tönen der kürzlich erschienenen, selbstbetitelten Debüt-EP der vier Damen aus Rom wie weggeblasen. Lässt das fragile Klanggewand der fünf Stücke doch Bilder menschenleerer Landschaften erscheinen. Der Jahreszeit entsprechend erwartet den Hörer eine kalte Atmosphäre. Emotional. Dunkel. Gedankenverloren. Einem melancholischen Blick aus dem Fenster in die undefinierte Ferne gleich. Langsamer Post Punk, dem eine gewisse Schwere innewohnt. In sich gekehrt – und trotzdem durchaus tanzflächentauglich. Diese EP lässt Potential erkennen. Ein komplettes Album haben „Winter Severity Index“ bereits in Angriff genommen. So bin ich sehr gespannt, was noch kommen wird…

www.myspace.com/winterseverity

Zerbrechliche Klangwelten: Alien Hand Syndrome – The Sincere And The Cryptic

Alien-Hand-Syndrome ist eine neurologische Störung, bei der ein betroffener Patient über eine seiner Hände kaum bis keine Kontrolle mehr hat. Die Hand erscheint fremd und wird als dem Körper unzugehörig betrachtet. Es kommt häufig vor, dass diese Hand komplett entgegengesetzt arbeitet. In extremen Fällen ist sogar der Versuch des Erwürgens nicht ausgeschlossen. Eine überaus dunkle und beängstigende Vorstellung.

Angst bereiten die zumeist zarten Klänge des gleichnamigen österreichischen Musikprojekts nicht. Doch der Bandname ist Synonym für den musikalischen Inhalt. Das Schrecken lauert quälend – oft in der Dunkelheit verborgen. Doch immer allgegenwärtig. Exemplarisch ist hierfür der Titel „The Evil And The Lovelorn“. Dunkle Orgel- und Celloklänge und die weiche Stimme von Clemens Engert führen den Hörer wehmütig ins Dunkel und erzeugen Gänsehaut – ehe das „Grauen“ kurzzeitig lautstark hervorbricht, um sogleich wieder im Schutz der Finsternis zu verschwinden. weiter lesen »

Generation Underground

„Generation Underground“ ist eine musikalische Zeitreise in die End-70er- und in die 80er-Jahre, als ein Teil der Jugendlichen sich nach neuen Klängen und Aussagen sehnte und dem oberflächlichen Einheitsbrei der in den Chart platzierten Titel nichts abgewinnen konnte. Als eingefahrene Wege verlassen wurden, Künstler experimentierten und die Plattenaufleger in alternativen Clubs und Discotheken durch ihre Auswahl die Gäste überraschten. Als Gitarrensoli ausgedient hatten, die Blütezeit des Punk sich langsam dem Ende zuneigte und neue Subkulturen und Genres entstanden. Als kreative Musiker die elektronische Klangerzeugung für sich entdeckten. Als der kalte Krieg und die Angst vor Atomkraft Gedanken und Handeln beeinflussten. Als die Compact Disc noch skeptisch beäugt wurde, Internet noch ein Fremdwort und MP3 noch Zukunftsmusik waren. Und als der Underground in gewisser Weise noch unabhängiger war. weiter lesen »

The Exploding Boy – The Black Album

The Black AlbumMit ihren ersten beiden Alben haben die Skandinavier bereits eindrucksvoll bewiesen, dass sie ein großartiges Gespür für Melodien und Stimmungen haben. So hatte ich überaus hohe Erwartungen, als ich die neuste Veröffentlichung mit dem Titel „The Black Album“ in den CD-Player legte. Der Einstieg gestaltete sich etwas „zögerlich“. Zwar in gewisser Weise gefällig – der Funke wollte jedoch nicht überspringen. Noch nicht. Doch es handelte sich hier nur um eine Frage der Zeit. Den schon die ersten Töne des zweiten Song („I Am Truth“) suchten sich unwiderstehlich ihren Weg in meine beiden Gehörgänge und setzten sich dort dauerhaft fest. Rhythmik und Melodie wirkten sich auf den ganzen Körper aus. Ich verzeichnete die üblichen Anzeichen, die so viele gute Stücke ausmachen: Kopfnicken, Fußwippen und diverse mehr oder minder rhythmische Zuckungen. weiter lesen »