Kategorie: Original vs. Kopie

Original vs. Kopie IV: Hurt

Ein Stück, wie es wohl kaum intensiver sein könnte. Die zarten Töne, die schmerzvollen Worte suchen sich leise aber unaufhaltsam ihren Weg und kriechen langsam tief in einen hinein. Gänsehaut pur…

Ich verletze mich heute
Um zu spüren, ob ich noch fühle
Ich konzentriere mich auf den Schmerz
Das einzige, das real ist
(…)
Was bin ich geworden?
Mein liebster Freund
Jeder, den ich kenne
Geht am Ende weg…“

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Original vs. Kopie III: Menschenfresser

Original: Rio Reiser

Ich habe noch nie jemanden in Deutschland singen gehört und gesehen, der wie Rio in der Lage war, innerhalb von Sekunden eine intime Beziehung, geradezu eine Liebesbeziehung, mit jedem einzelnen seiner Zuhörer aufzubauen.
Singen vor Publikum ist eine eigenartige Beschäftigung: Man kann das Blut, das man den Menschen entzieht, wie ein Vampir schlucken, oder man kann es verwandeln und zurückgeben.
Rio Reiser strahlte Kraft und Macht aus, die er vom Publikum bekam, und er gab sie wieder zurück. Charisma ist eine Fähigkeit, die sich nicht erlernen lässt, und sie hat nichts mit Image und bloßer Bühnenpräsenz zu tun. Selbst bei einem banalen Song konnte er irgendein bestimmtes Wort so singen, dass es einem kalt den Rücken runterlief.“

Nachruf von Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) im Spiegel

Als ich mich noch von Babybrei ernährte, die Welt vollkommen unkritisch mit großen, leuchtenden Augen betrachtete und meine Freizeitgestaltung aus Schlafen und Verdauen bestand, hatte Ralph Christian Möbius – so der bürgerliche Name von Rio Reiser – mit der Band „Ton Steine Scherben“ schon erste Erfolge. In den Anfangsjahren lieferte man mit Titeln wie „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ (1970) und „Keine Macht für Niemand“ (1972) den rockigen Soundtrack für radikale Linke, Autonome, Hausbesetzer und Anarchisten. weiter lesen »

Original vs. Kopie II: Photographic

Original: Depeche Mode

Obwohl ein musikalisches Kind der 80er Jahre, haben mich „Depeche Mode“ wohl – zumindest bewusst – weniger geprägt als andere Liebhaber alternativer Klangwelten, welche in dieser Zeit die Leidenschaft zur Musik entdeckt haben. Vinyl: Master & Servant und People Are PeopleEigentlich erstaunlich, wenn man sich vor Augen führt, welche große Anzahl an fantastischen Stücken DIE Synthie-Pop-Band schlechthin schon in den ersten Jahren ihres Bestehens hervorgebracht hat. Eine Aufzählung würde sicherlich diesen Rahmen sprengen. Begeisterung konnte die Formation um Sänger Dave Gahan aber durchaus auch bei mir schon frühzeitig auslösen. Insbesondere die Titel mit leichtem „Industrial“-Einschlag wie „People Are People“ oder „Master And Servant“ haben mich zum Plattenladen meines Vertrauens pilgern lassen. „Photographic“ ist hingegen eines wohl in der breiten Masse nicht so bekanntes Stück, welches auch bereits 1981 auf dem Debütalbum „Speak & Spell“ der Briten erschien. weiter lesen »

Original vs. Kopie I: Twist In My Sobriety

Alternative Versionen. Musikalische Titel in moderne Gewänder gekleidet. Neuinterpretationen. Bisweilen kaum wiederzuerkennen. Manchmal sogar abgrundtief verhasst. Ein kollektiver Aufschrei der Fans. Den Kopierenden wird Frevel und Verunstaltung vorgeworfen.

Manche Versionen erzeugen einfach nur ungläubiges Kopfschütteln. Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“ ist so verletzlich. So tief gehend. So melancholisch. Und daneben eine seichte, locker-flockige Interpretation im Bossanova-Stil. Seltsam. Verwirrend. Befremdlich. Unverständlich.

Gelegentlich eröffnen sich aber auch ganz neue Sichtweisen. Neue Zugänge. Deshalb möchte ich in dieser regelmäßigen Serie nicht über gehasste Songs sprechen, sondern vielmehr das eine oder andere – aus meiner Sicht – gelungene Cover vorstellen. Letztendlich liegt dies selbstverständlich im Auge des Betrachters. Also lasst uns ggf. diskutieren… weiter lesen »