Die Stille am Meer: Ervik gravplass

Wind streift durch das zerzauste Gras. Dunkle Wolken gleiten am Himmel entlang. Auf einem kleinen Hügel inmitten des ältesten Teils des kleinen Friedhofs von Ervik steht eine winzige weißgetünchte Kapelle. Eingebettet in eine dramatische Landschaft versuchen sich Kreuze aus Metall trotzig gegen Wind und Wetter zur Wehr zu setzen. Ein traurig blickender Engel, seiner Flügel beraubt, ist ein kaum gesehener Grabschmuck an diesem Ort. Einem ruhigen Ort, eingerahmt, ja fast beschützt vom dunklen Fels der nahe liegenden Berge. Der helle, sich direkt unterhalb des Friedhofs befindliche Strand ist an diesem Tag verwaist. Keine Menschenseele, die ihre Fußspuren in dem weichen Sand hinterlässt. Sehnsuchtsvoll schweift der Blick über das Meer und den weiten Horizont.

Zum Gedenken an das vor der Küste gesunkene Passagierschiff Sanct Svithun wurde 1970 außerhalb des bereits im 15. Jahrhundert angelegten Friedhofs eine weitere Kapelle erbaut. Am 30. September 1943 griffen kanadische Jagdbomber den zivilen Dampfer, der ohne Geleitschutz und unter norwegischer Flagge – allerdings mit Flugabwehrkanonen und deutschen Soldaten an Bord – unterwegs war, an. Vorher sollen die Piloten dem Schiff angezeigt haben, zu stoppen und zu evakuieren, was die deutschen Soldaten jedoch nicht zuließen. Die Sanct Svithun fing Feuer und wurde vom Kapitän auf Grund gesetzt. Mutige Männer aus Ervik wagten sich mit ihren kleinen Fischerbooten auf die sehr unruhige See hinaus und halfen bei der Rettung von 76 Menschen. 35 Norweger und 12 Deutsche fanden hingegen den Tod. Die geborgene Schiffsglocke befindet sich nun in der Kapelle, vor welcher der Anker des Hurtigruten-Schiffs ruht.



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