Heilstätte am Grabowsee: Der Kampf gegen den Verfall

Die ehemalige Lungenheilstätte am Grabowsee liegt idyllisch abseits des Berliner Großstadttrubels inmitten eines uralten Kiefernwalds. Mit den zahlreichen Gebäuden, Maschinenhaus, Ställen und Gewächshaus, Gasanstalt und Kirche fühlt man sich wie in einer kleine Stadt. Eine Stadt, die in der Gegenwart mehr oder weniger ein Ort mit zerfallenen, ungenutzten Bauwerken ist.

Seit einigen Jahren ist das Gelände gesichert, es wird bewacht und teilweise als Filmkulisse genutzt. Ein Verein sammelt Spenden für den Wiederaufbau der alten Gebäude und für die Einrichtung einer Internationalen Akademie für Kinder und Jugendliche.

Die Lungenheilanstalt für Arbeiter wurde vom Deutschen Roten Kreuz errichtet. Während des ersten Weltkriegs sollten hier kranke Soldaten genesen. Auch Kriegsgefangene hielten sich am Grabowsee auf. Eigentumsverhältnisse und Nutzung variierten. Ab 1945 übernahm die Sowjetische Armee das Areal. Bis 1991. Als Kaserne und Lazarett genutzt und teilweise sträflich vernachlässigt und heruntergewirtschaftet.

Ein langgestreckter Flachbau ist mit interessanten künstlerischen Graffitis innen wie außen gestaltet. Zeichen erster Wiederbelebungsaktivitäten.

In einigen Räumen finden sich Reste von Zivilisation: Sessel, Couch, Tisch und Stühle. Im Kontrast zu den verfaulenden Holzbänken vor den Eingangstüren. Ein einzelnes Bettgestell zeugt von dem ursprünglichen Verwendungszweck, der Beherbergung der Kranken.

Auf einem Dachboden liegen Pillendosen und Tablettenstreifen eher neueren Datums, wobei selbstverständlich längst über dem Verfallsdatum liegend. Deutlich älter erscheint eine Krücke aus Holzbrettern, wie man sie in der Zeit des ersten Weltkriegs und davor verwendete. Ein Produkt russischer Kreativität sind wohl die rustikalen Gestelle der Hausaußenbeleuchtung. Geköpfte Skulpturen sind ein Zeugnis von Vandalismus, der leider vielen verlassenen Orten den Zauber zunehmend nimmt.

Ein Gebäude wurde offenbar als Kulturraum genutzt. Riesige Flügeltüren aus Glas führen hinaus auf eine heute nicht mehr vorhandene Terrasse. Auf dem Podium davor, welches von großen schweren roten Vorhängen eingerahmt wird, steht ein rudimentärer Flügel. Einsam, verlassen. Ein Schatten von Kultur. In einer Ecke liegt ein zerbrochener Trommelstab. Möglicherweise das Überbleibsel eines Musikvideodrehs in jüngerer Zeit.

Andere Häuser sind in teilweise schrecklichem Zustand. Treppen ohne Geländer machen die Erforschung zu einem Abenteuer.








2 Kommentare

  1. Geschrieben am 28. Dezember 2013 um 17:36 | Permalink

    Very arty! An der Streetart und den Malereien kann ich mich grad nicht sattsehen. Die Medikamente finde ich auch irgendwie krass. Mal wieder Danke für die Einblicke.

    Für 2014 alles Liebe, große Entdeckungen und viele verwunschene Abenteuer im rechten Blickwinkel 😉 – freu mich auf weitere Beiträge und ein Wiedersehen!

  2. Marcus
    Geschrieben am 29. Dezember 2013 um 15:29 | Permalink

    Die Kunst am Grabowsee entstand übrigens 2011. Hier ein Beitrag von ZDF.Kultur: http://youtu.be/mxsT21CKDww

    Ich wünsche Dir und allen Besuchern meines Blogs ebenso alles Gute für das Jahr 2014. Weiterhin werde ich mir große Mühe geben, viel Sehens- und Lesenswertes zu präsentieren. Der eine oder andere Beitrag befindet sich schon in den „Startlöchern“ 🙂

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