Original vs. Kopie IX: „Helden“

Original: David Bowie

Unweit der Mauer, die Berlin jahrzehntelang in Ost und West teilte, entstand 1977 ein Lied über Liebe. Über die gemeinsame Kraft im Schatten der Bedrohung durch den kalten Krieg. Fast schon etwas wie eine Berliner Hymne. Scheinbar den „Helden“ auf beiden Seiten der Grenze gewidmet. „Heroes“ von David Bowie. Die Anführungszeichen gehören zum Titel. Eine ironische Betrachtungsweise? Letztendlich wird das Wort Helden gerade in unserer medialen Welt überstrapaziert. Helden für einen Tag. David Bowie erlebte die beklemmende Atmosphäre, die durch die Mauer ausgelöst wurde, hautnah. Lebte er doch von 1976 bis 1978 im Westteil von Berlin, wo er wohl eine seiner kreativsten Phasen hatte und sein vermutlich bekanntestes Stück schrieb. Ein Song, der unweigerlich mit der Geschichte der deutschen Hauptstadt verbunden ist. Ebenso Soundtrack einer tragischen Erzählung über jugendliche Drogenabhängige. David Bowies Stimme lässt die bedrückenden Bilder aus dem Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von 1981 auch heute noch unweigerlich vor dem geistigen Auge erscheinen.

Kopie: Henke

Nun hat sich Oswald Henke mit seiner Band an diesen besonderen Titel gewagt. Die Liste der bisherigen Coverversionen ist lang: Apocalyptica, Nena, (((S))), Letzte Instanz… Doch die Interpretation von „Henke“ hebt sich – wie ich finde – erfrischend von der Masse ab. Zwar relativ nah am (deutschsprachigen) Original. Trotzdem originell und eigenständig.
„Helden“ beginnt mit monoton-dunklem Bass, ehe Oswald Henkes unverkennbare Stimme einsetzt: „Du – könntest Du schwimmen, wie Delphine, Delphine es tun…“ Fast behutsam scheinen sich die Klänge des Keyboards „heranzutasten“. Die Intensität steigert sich langsam. Bevor Schlagzeug und Gitarre für einen erwarteten und dennoch plötzlichen Höhepunkt sorgen. Voller Kraft. Gänsehaut pur. Man möchte die Stimmung aufsaugen und für immer festhalten. In sich kriechen und nicht mehr loslassen. Und dann entwickelt sich das Stück im zweiten Teil zu einem Duett. Gastsängerin Sonja Kraushofer (Persephone, Coma Divine, L’âme Immortelle) und Oswald Henke in perfekter Symbiose. „Ich – ich glaub das zu träumen“ – „Die Mauer im Rücken war kalt“ – „Die Schüsse zerreißen die Luft, doch wir küssen als ob nichts geschieht“…

Bisher wurde der Titel nur live präsentiert. Die EP „Herz“, auf der „Helden“ enthalten ist, erschien am gestrigen Freitag.

Leider kommt die Qualität der Henkeschen Interpretation in dem vorliegenden Livemitschnitt nur ansatzweise zum tragen. Um einen kleinen Eindruck zu erhalten, möchte ich diesen trotzdem nicht vorenthalten:

Bei den anstehenden Auftritten im April wird – im Gegensatz zu dem im gezeigten Video – dann übrigens auch Sonja Kraushofer auf der Bühne stehen.

05.04.12 Bochum – Bahnhof Langendreer
06.04.12 Hamburg – Logo
07.04.12 Hannover – Engel 07
08.04.12 Berlin – K17

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