Alte Baukunst: Die Stabkirche Ringebu

Bedrohlich dunkle Wolken dominieren den weiten Himmel. Kurzzeitig fällt heftiger Regen. Im Gegensatz zu älteren Aufnahmen, auf denen die Kirche von Ringebu in freundlichem Goldbraun zu sehen ist, präsentiert sie sich gegenwärtig – ganz dem Wetter angepasst – in einer gewissen Düsternis. Das einst fast wie Honig schimmernde Holz ist pechschwarz. Einzig die roten Schindeln des Kirchturms und das Rot der Fensterrahmen sorgen für einige wenige Farbtupfer. Ferner hängt Brandgeruch in der Luft. Ursächlich für diese visuellen sowie odorativen Eindrücke ist jedoch kein Feuer, sondern die wiederholte Behandlung des Holzes mit wasserabweisendem Birkenteer.

Erst im 10. Jahrhundert erreichte die christliche Lehre Norwegen. Von den etwa 1000 Stabkirchen, die in der Folgezeit errichtet wurden, sind heute nur noch 28 in einem authentischen Zustand erhalten. Bei der Stabbauweise stehen die Wandplanken im Gegensatz zum erst später aufgekommenen Blockbau senkrecht. Säulen oder Pfosten tragen das Dach.

Die im 13. Jahrhundert errichtete und rund 400 Jahre später durch ein Querschiff und einen Kirchturm ergänzte Stabkirche in Ringebu steht auf einem ehemaligen Thingplatz. An diesem auch Gildevollen (Gildehügel) genannten Ort wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht abgehalten. Die Gilden, die wohl für den Bau der Stabkirche verantwortlich sind, hatten die weltliche und religiöse Macht inne. Durch die brüderliche Verbindung bot man sich gegenseitigen Schutz. weiter lesen »

Alter jüdischer Friedhof Frankfurt – Zwischen Bescheidenheit und Prunk

Wer geraden Weges wandelt, ziehe in Frieden, dorthin, wo sie auf ihren Lagern ruhen.“ (Jesaja 57,2).

Mit diesen Worten (in hebräischer Schrift) wurde der Besucher, der durch den Haupteingang den alten jüdischen Friedhof in Frankfurt betrat, ursprünglich begrüßt. Heute ist der Zugang jedoch nicht mehr über dieses Portal, gestaltet mit dorischen weißen Säulen, sondern über einen, wenige Schritte entfernten, schmucklosen Nebeneingang möglich.

Die Reihen der Grabsteine auf dem 1828 eröffneten Friedhof wirken ordentlich, auch wenn der Zahn der Zeit an vielen Stellen mal mehr, mal weniger stark genagt hat. Kein gnädig umhüllendes Efeugerank schmückt und verdeckt diese Altersschäden. Der eine oder andere traditionell am ersten Todestag aufgestellte Stein befindet sich mittlerweile in einer bedrohlichen Schieflage.

Symbole weisen auf Herkunft, Beruf oder Namen hin. So stechen beispielweise wiederholt Hände ins Auge, deren Haltung an den Vulkanischen Gruß erinnert. Was kein Zufall ist: Die Begrüßungsgeste der Vulkanier ist angelehnt an einen jüdischen Segen, dem Birkat Kohanim. Am Rande sei erwähnt, dass Zachary Quinto, der in einigen Star-Trek-Filmen den jungen Mr. Spock verkörperte, diesen Gruß auch nach längerem Üben nicht ausführen konnte. weiter lesen »

Die Stille am Meer: Ervik gravplass

Wind streift durch das zerzauste Gras. Dunkle Wolken gleiten am Himmel entlang. Auf einem kleinen Hügel inmitten des ältesten Teils des kleinen Friedhofs von Ervik steht eine winzige weißgetünchte Kapelle. Eingebettet in eine dramatische Landschaft versuchen sich Kreuze aus Metall trotzig gegen Wind und Wetter zur Wehr zu setzen. Ein traurig blickender Engel, seiner Flügel beraubt, ist ein kaum gesehener Grabschmuck an diesem Ort. Einem ruhigen Ort, eingerahmt, ja fast beschützt vom dunklen Fels der nahe liegenden Berge. Der helle, sich direkt unterhalb des Friedhofs befindliche Strand ist an diesem Tag verwaist. Keine Menschenseele, die ihre Fußspuren in dem weichen Sand hinterlässt. Sehnsuchtsvoll schweift der Blick über das Meer und den weiten Horizont.

Zum Gedenken an das vor der Küste gesunkene Passagierschiff Sanct Svithun wurde 1970 außerhalb des bereits im 15. Jahrhundert angelegten Friedhofs eine weitere Kapelle erbaut. Am 30. September 1943 griffen kanadische Jagdbomber den zivilen Dampfer, der ohne Geleitschutz und unter norwegischer Flagge – allerdings mit Flugabwehrkanonen und deutschen Soldaten an Bord – unterwegs war, an. weiter lesen »

Mahnmal Südtiroler Geschichte im Reschensee

Am 16. Juli 1950 läuten die Kirchenglocken ein letztes Mal, ehe das gesamte Dorf Graun und ein Großteil des Dorfes Reschen in den Fluten eines Stausees, aus dem nur noch der einsame Kirchturm herausragt, untergingen. 163 Häuser wurden zerstört, über 500 Hektar Kulturboden überflutet, etwa 150 Familien verloren ihr Heim. Ein Verlust, der tiefe Wunden riss.

Bis zuletzt kämpften die Einwohner gegen die Pläne, die auf das Jahr 1920, als noch eine Stauhöhe von 5 Meter vorgesehen wurde, zurückgingen. Diese anfängliche Höhe hätte einen Großteil des Orts verschont. Doch im Jahr 1940 „informierte“ ein Aushang die Dorfgemeinschaft über das Anheben der ursprünglichen Anstauungshöhe auf 22 Meter. Das Arglistige daran: Die Information wurde einzig in Italienisch veröffentlicht. Eine Fremdsprache, die in Graun niemand verstand. So überrollten die Änderungen die Bürger. Man wehrte sich fortan mit allen Kräften gegen die Zwangsenteignung. Der Verlauf des zweiten Weltkriegs stoppte 1943 vorerst das Bauvorhaben. Aufzuhalten war es freilich nicht.

Glockenturm im Reschensee

Ein Augenzeuge berichtete: „Graun liegt in den letzten Zügen. Wie bei einem Todkranken stirbt Glied für Glied ab. weiter lesen »

Der historische Vyšehrader Friedhof

Abseits der Prager Innenstadt liegt die Hochburg Vysehrad. Wegen diverser Trauungen war die Kirche, welche ich als Hauptziel ausgemacht hatte, für die Öffentlichkeit geschlossen. So zog es mich auf den kleinen aber überaus interessanten Friedhof. Welch Glück. Neben historisch bedeutsamen Grabdenkmälern diverser bekannter tschechischer Persönlichkeiten wie Bedřich Smetana und Antonín Dvořák findet man auf engem Raum auch moderne Varianten und zahlreiche überraschende und reizvolle Details.


weiter lesen »