Tag Archives: fotografie

Gewitterdämmerung

Gewitterdämmerung

Am Montag, den 2. Februar 2015, erscheint der Lyrik-Band „Gewitterdämmerung – Gedichte über Welt- und Sonnenuntergänge“ von Philipp Schaab, zu dem ich das Titelbild, welches sich über Vorder- und Rückseite zieht, beisteuern durfte. Überdies freut es mich, dass den sechs Kapiteln jeweils eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die auf meinen Fotoreisen entstanden sind, vorangestellt wurde.

Gewitterdämmerung

Verlag: Periplaneta

Père Lachaise: Letzte Ruhestätte mit Blick auf den Eiffelturm

Wer den Friedhof Père Lachaise in Paris besucht, wird wohl unweigerlich Touristen mit Faltplänen – Ausschau haltend nach den Gräbern berühmter Persönlichkeiten – sehen. Dabei scheinbar die Schönheit dieses magischen Ortes „missachtend“. In ihrer Zielstrebigkeit die zahllos vorhandenen Details der Grabstätten weniger bekannter Verstorbener keines Blickes würdigend. Konsequent wird dem Grab von Jim Morrison – Sänger von „The Doors“ – nachgestöbert. Anschließend folgt die Suche nach der letzten Ruhestätte von Edith Piaf. Oder Honeré de Balzac. Mit Hilfe des Plans, der die Grabstellen der Namhaften zeigt, wird die Stelle, an der Frédéric Chopin begraben wurde, aufgespürt. Allerdings ohne dessen Herz. Dieses wurde auf seinen Wunsch entnommen und in Warschau beigesetzt. Auch Oscar Wilde zieht viele Besucher an, wie sein mit roten Kussmündern übersäter Grabstein zeigt.

Leise sprich, leis geh,
Störe sie nie,
Wachsen hört unterm Schnee
Maßliebchen sie.

Alles ihr golden Haar
Rost nun zum Raub
Sie, die so lieblich war,
Moder und Staub!

Lilienweiß, lilienzart,
Lebte sie Traum,
Daß sie zum Weibe ward,
Wußte sie kaum.

Sargholz und schwerer Stein
Deckt sie nun zu,
Mich quält mein Herz allen.
Ihr wurde Ruh.

Still! still! Was sollen ihr
Leider und Lieder;
All meine Welt liegt hier-
Wirf Erde nieder!“

Oscar Wilde

Mir ist diese Jagd nach Berühmtheiten hingegen suspekt. Durchaus fällt mir bei meiner Wanderung über den Friedhof auch der eine oder andere berühmte Name auf, der dann ebenso Erinnerungen und Gedanken hervorruft. Jedoch wandle ich ohne bestimmtes Ziel über den Friedhof. Die Stille – die es durchaus an manchen Stellen gibt – genießend. Anfangs verläuft meine Wanderung noch systematisch, ehe mich jedoch die Fülle an Sehenswertem – durch den zunehmend ansteigenden Charakter des Friedhofs wird immer mehr sichtbar – und die teils chaotisch angelegten Wege zu einer vollkommen ungeordneten Ergründung veranlasst. Ich lasse mich – die geheimnisvolle Atmosphäre aufsaugend – treiben und „springe“ zwischen den Grabfeldern hin und her. Während ich über so manches schmückende Symbol sinniere, klickt die Kamera unaufhaltsam. Das Entdecken und Aufspüren von geflügelten Totenköpfen, ägyptischen Zeichen oder gespensterhaften Reliefs ist spannender, als die Jagd nach den Grabstellen bekannter Persönlichkeiten. Dazwischen schaue ich in die lebendigen Gesichter steinerner Engel, an denen der Lauf der Zeit genagt hat. read more »

Friedhof Ohlsdorf: Wenn der Tod fast fröhlich und leicht erscheint

Schier endlos ziehen sich Wege und Straßen über das Gelände dieser Totenstadt im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf. Der mit 391 Hektar größte Parkfriedhof der Welt bietet seinen Besuchern eine Vielfalt wie kaum ein anderer Begräbnisplatz, den ich bisher besucht habe. Auf einem Straßennetz mit einer Länge von 17 Kilometern verkehren zwei Buslinien, die 22 Haltestellen ansteuern. Fußgänger können auf Wegen mit einer Gesamtlänge von unglaublichen 80 Kilometern auf Entdeckungsreise gehen. Wer nun glaubt, dass der Autoverkehr dem Friedhof eine gewisse Unruhe aufzwingen könnte, der irrt. Uralter Baumbestand, wuchtige Rhododendron-Hügel, ausladende Koniferen und unzählige Exoten bilden schon nach einigen Schritten einen parkähnlichen Wald. Überall flattern die verschiedensten Vertreter der Vogelwelt umher und übertönen mit ihrem Geschwätz die entfernten Geräusche der Busse und Automobile.

Nicht zum ersten Mal versuche ich das riesige, 1877 eröffnete Areal, auf dem über 30.000 Bäume und über 2.000 Bänke stehen, zu erkunden. Und auch diesmal bin ich überrascht, viel Neues zu entdecken. 17 Teiche, 13 Kapellen und 21 Mausoleen befinden sich auf dem Gelände. Alle habe ich noch nicht gesehen.

Aber auch so ertrinken die Augen in dieser Fülle von sehenswerten Gebäuden, Skulpturen, Anlagen. Bombastische Mausoleen mit geheimnisvollen Details geschmückt. Skulpturen, die schon einmal einen Schauder hervorrufen. Besonders beeindruckend die Begegnung mit dem „Schicksal“, einer Skulptur von Hugo Lederer aus dem Jahr 1905. Düster und bedrohlich wirkt dieses Bildnis. Eine finster dreinblickende, barbusige Dame zerrt eine Frau und einen Mann an den Haaren neben sich her. Anschaulicher lässt sich die Verzweiflung über die Vergänglichkeit wohl kaum darstellen. Seinem Schicksal entgeht niemand? An anderen Stellen posieren mehr oder weniger bekleidete Damen – seltener Herren – sinnlich-erotisch, sogar lasziv. Mit ihren lebendigen Blicken verfolgen sie die Bewegungen der Besucher.


read more »

Zwischen atemberaubenden Anblicken und Alltagslärm: Notre Dames Luxembourg

Schon auf der Heimreise befindlich und eine preisgünstige Tankfüllung im Blick, besuchte ich die Stadt Luxemburg im Großherzogtum Luxemburg. Einziges Ziel war – sicherlich nicht überraschenderweise – der Friedhof Notre Dames, der inmitten geräuschvoller Betriebsamkeit und verkehrsreichen Straßen liegt. Gegenüber fand ein Volksfest statt. Das Riesenrad erhob sich weit über die Bäume des Gottesackers, der sich in ordentlichen Reihen und in ebenso ordentlich rechtwinklig abgegrenzten Arealen präsentierte. Durch diese Anordnung und die weit auseinander stehenden Bäume war der Friedhof gut zu überschauen. Und so verschlug es mir den Atem, als ich eine Fülle an Statuen erblickte. Statuen von unglaublicher Vielfalt. Mit wunderschönen und bemerkenswerten Details. Die Fotokamera leistete Höchstarbeit. Kein langsames Promenieren, sondern Schritt für Schritt. Zunächst fast jede Grabstätte ein Kunstwerk. Manches zeigte Spuren des Alters. Andere Ansichten schienen hingegen gerade erst erschaffen worden zu sein. Kaum kam ich zum Lesen der Namen der dort Liegenden. Deutsche Namen. Deutsche Namen? Ach ja, der Wiener Kongress, der Europa nach der Niederlage Napoleons neu aufteilte. Ein paar Steinstufen führten mich auf einen zweiten Teil. Dort spendete alter Baumbestand endlich etwas Schatten und Bänke luden zum Verweilen ein. Einige Arbeiter waren mit Wege- und Grabpflege beschäftigt. Deutsche Wortfetzen flogen herüber. Dieser Friedhof lässt keine nachdenkliche Stimmung aufkommen. Zu geschäftig erscheint die äußere Welt, die sich hier nicht aussperren lässt. Aber diese Masse an Skulpturen aus Stein und Bronze war beeindruckend.

read more »

Schein und Sein II

Schein und Sein II

In Wirklichkeit erkennen wir nichts; denn die Wahrheit liegt in der Tiefe.“

Demokrit
um 460 v.Chr. – um 371 v.Chr.
griechischer Philosoph

Modell: Triz Täss