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Alte Baukunst: Die Stabkirche Ringebu

Bedrohlich dunkle Wolken dominieren den weiten Himmel. Kurzzeitig fällt heftiger Regen. Im Gegensatz zu älteren Aufnahmen, auf denen die Kirche von Ringebu in freundlichem Goldbraun zu sehen ist, präsentiert sie sich gegenwärtig – ganz dem Wetter angepasst – in einer gewissen Düsternis. Das einst fast wie Honig schimmernde Holz ist pechschwarz. Einzig die roten Schindeln des Kirchturms und das Rot der Fensterrahmen sorgen für einige wenige Farbtupfer. Ferner hängt Brandgeruch in der Luft. Ursächlich für diese visuellen sowie odorativen Eindrücke ist jedoch kein Feuer, sondern die wiederholte Behandlung des Holzes mit wasserabweisendem Birkenteer.

Erst im 10. Jahrhundert erreichte die christliche Lehre Norwegen. Von den etwa 1000 Stabkirchen, die in der Folgezeit errichtet wurden, sind heute nur noch 28 in einem authentischen Zustand erhalten. Bei der Stabbauweise stehen die Wandplanken im Gegensatz zum erst später aufgekommenen Blockbau senkrecht. Säulen oder Pfosten tragen das Dach.

Die im 13. Jahrhundert errichtete und rund 400 Jahre später durch ein Querschiff und einen Kirchturm ergänzte Stabkirche in Ringebu steht auf einem ehemaligen Thingplatz. An diesem auch Gildevollen (Gildehügel) genannten Ort wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht abgehalten. Die Gilden, die wohl für den Bau der Stabkirche verantwortlich sind, hatten die weltliche und religiöse Macht inne. Durch die brüderliche Verbindung bot man sich gegenseitigen Schutz. read more »

Kutna Hora: Der verspielte Tod

Etwa 70 km östlich von Prag liegt Kunta Hora (Kuttenberg) mit seiner beeindruckenden „Knochenkirche“, einem Beinhaus, angelegt aufgrund des auf dem Friedhof herrschenden Platzmangels.

Beinhäuser sind eigentlich nichts vollkommen Ungewöhnliches. Sowohl in Deutschland als auch in diversen anderen Ländern werden in manchen Kirchen die sterblichen Überreste sichtbar aufbewahrt.

Im Gewölbe der Allerheiligenkirche in Kutna Hora sind die Knochen und Schädel von etwa 40.000 Verstorbenen zu sehen. Das Besondere: Ein Viertel davon wurde kunstvoll drapiert. Überaus bewundernswert ist das aus den unterschiedlichsten Knochen und Schädeln bestehende Inventar: Girlanden, Kandelaber, Kronleuchter, Monstranzen, Wandschmuck, sogar ein Wappen. Ein spielerischer Umgang mit dem Tod? Bei den zahlreichen Touristengruppen schien zumindest keine Trauer oder ähnliches aufzukommen. Die Knochengebilde wirken leicht, weshalb es nicht verwundert, dass die Besucher zumeist eine lächelnde Unbeschwertheit ausstrahlen. Nur ein Staunen liegt auf den Gesichtern: Der Anblick solcher Kunstwerke – zusammengefügt aus Menschenknochen – ist außergewöhnlich und für den Großteil sicher einmalig.

Beinhaus
Beinhaus Beinhaus Beinhaus

In großen Kammern wurden viele hundert Schädel aufgehäuft. In so mancher Augenhöhle, aber auch an anderen Stellen liegen Münzen. Ob diese Toten sich von den Geldgeschenken beeindrucken lassen und die Wünsche der Lebenden erhören und erfüllen vermögen? read more »