Tag Archives: norwegen

Alte Baukunst: Die Stabkirche Ringebu

Bedrohlich dunkle Wolken dominieren den weiten Himmel. Kurzzeitig fällt heftiger Regen. Im Gegensatz zu älteren Aufnahmen, auf denen die Kirche von Ringebu in freundlichem Goldbraun zu sehen ist, präsentiert sie sich gegenwärtig – ganz dem Wetter angepasst – in einer gewissen Düsternis. Das einst fast wie Honig schimmernde Holz ist pechschwarz. Einzig die roten Schindeln des Kirchturms und das Rot der Fensterrahmen sorgen für einige wenige Farbtupfer. Ferner hängt Brandgeruch in der Luft. Ursächlich für diese visuellen sowie odorativen Eindrücke ist jedoch kein Feuer, sondern die wiederholte Behandlung des Holzes mit wasserabweisendem Birkenteer.

Erst im 10. Jahrhundert erreichte die christliche Lehre Norwegen. Von den etwa 1000 Stabkirchen, die in der Folgezeit errichtet wurden, sind heute nur noch 28 in einem authentischen Zustand erhalten. Bei der Stabbauweise stehen die Wandplanken im Gegensatz zum erst später aufgekommenen Blockbau senkrecht. Säulen oder Pfosten tragen das Dach.

Die im 13. Jahrhundert errichtete und rund 400 Jahre später durch ein Querschiff und einen Kirchturm ergänzte Stabkirche in Ringebu steht auf einem ehemaligen Thingplatz. An diesem auch Gildevollen (Gildehügel) genannten Ort wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht abgehalten. Die Gilden, die wohl für den Bau der Stabkirche verantwortlich sind, hatten die weltliche und religiöse Macht inne. Durch die brüderliche Verbindung bot man sich gegenseitigen Schutz. read more »

Die Stille am Meer: Ervik gravplass

Wind streift durch das zerzauste Gras. Dunkle Wolken gleiten am Himmel entlang. Auf einem kleinen Hügel inmitten des ältesten Teils des kleinen Friedhofs von Ervik steht eine winzige weißgetünchte Kapelle. Eingebettet in eine dramatische Landschaft versuchen sich Kreuze aus Metall trotzig gegen Wind und Wetter zur Wehr zu setzen. Ein traurig blickender Engel, seiner Flügel beraubt, ist ein kaum gesehener Grabschmuck an diesem Ort. Einem ruhigen Ort, eingerahmt, ja fast beschützt vom dunklen Fels der nahe liegenden Berge. Der helle, sich direkt unterhalb des Friedhofs befindliche Strand ist an diesem Tag verwaist. Keine Menschenseele, die ihre Fußspuren in dem weichen Sand hinterlässt. Sehnsuchtsvoll schweift der Blick über das Meer und den weiten Horizont.

Zum Gedenken an das vor der Küste gesunkene Passagierschiff Sanct Svithun wurde 1970 außerhalb des bereits im 15. Jahrhundert angelegten Friedhofs eine weitere Kapelle erbaut. Am 30. September 1943 griffen kanadische Jagdbomber den zivilen Dampfer, der ohne Geleitschutz und unter norwegischer Flagge – allerdings mit Flugabwehrkanonen und deutschen Soldaten an Bord – unterwegs war, an. read more »

Die Loren rollen nicht mehr…

In der hereinbrechenden Dunkelheit fiel es schwer, Schilder und Hinweiszettel am Straßenrand zu lesen. Eines war jedoch klar: Das anvisierte Ziel sollte nur über eine geschotterte Mautstraße zu erreichen sein, die ich allerdings erst am nächsten Tag befahren wollte. So entrichtete ich am nächsten Morgen den von einer „Kasse des Vertrauens“ geforderten Obolus und folgte dem Weg, der mich zu den Resten einer verlassenen Bergwerksmine bringen sollte. Anfänglich noch von wenigen weit auseinander stehenden Häusern gesäumt, wurde die Straße holpriger und die Gegend menschenleer, bevor eine kleine hölzerne Brücke das Ende der Fahrt bedeutete. Die vor mir liegenden Bohlen und Bretter, teils brüchig und morsch, machten keinen vertrauenserweckenden Eindruck. So mussten die letzten 1000 Meter, begleitet von zahlreichen reifen Blaubeeren am Wegesrand, zu Fuß bewältigt werden. In der kargen Landschaft herrschte eine angenehme und zugleich gespenstische Stille. Weder Zivilisationslärm noch von Tieren verursachte Geräusche waren zu vernehmen.

Nach einer Biegung eröffnete sich der Blick auf ein flaches Tal mit einem kleinen See und einem stark zerschlissenen Gebäude. Nunmehr wurde der Weg geprägt von Abraum. Der See – scheinbar verdreckt – war Heimat diverser Pflanzen. Erstaunlich diese Kraft und Anpassungsfähigkeit der Natur.

Mitte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde hier Kupfererz gefunden. Die Geburtsstunde der Mine, eingegliedert in ein Bergbauunternehmen, das in der Gegend bereits seit über 80 Jahren tätig war. 1763 wurde die Mine stillgelegt. Erst 1891 gedachte man der Vorkommen und startete mit 60 Mann erneut den Abbau von Pyrit und Kupfererzen. Nach vielen Unterbrechungen und wenig Ertrag beschloss man im Frühjahr 1940 diese Mine endgültig aufzugeben. Seither fristet der kümmerliche Rest ein einsames Dasein. read more »

Faszination Norwegen – Leidenschaftliches Wiedersehen

„Norwegen sehen und wiederkehren“ – mit diesen von einem Goethe-Zitat abgeleiteten Worten beendete ich den Bericht über meine erste Reise in das Land der Wikinger im Jahr 2007. Ein Jahr später hatte mich das Fernweh erneut gepackt. Norwegen. So faszinierend, dass ich einfach wiederkehren musste, um weitere überwältigende Seiten kennen zu lernen. Ein weiteres berühmtes, sehr frei übersetztes Zitat von Konfuzius trifft auf Norwegen zu, wie auf kaum ein anderes Land: „Der Weg ist das Ziel.“ Nach jedem Tunnel, nach jeder Kurve, jeder Kuppe ergaben sich neue, intensive Ausblicke. Bei meiner Reise von Süden nach Norden und zurück eröffnete sich mir eine unglaubliche Vielfalt an Farben und Formen und unzählige unvergessliche Erlebnisse.

Blick von den Lofoten
Wolken geben die Landschaft frei

Beispielsweise oberhalb des Polarkreises in arktischen Regionen barfuss über einen karibisch weißen Strand laufen, auf türkisgrünes Wasser blicken und darin auch mal ein kurzes Bad wagen. Zugegebenermaßen wurden bei dieser Begegnung nur Bereiche weit unterhalb der Kniescheiben mit dem erfrischenden, aber auch eiskalten Nass benetzt. Für einen verweichlichten Mitteleuropäer mit einem durchschnittlich ausgestatteten Kälteempfinden wie mir grenzte das Verhalten einiger Einheimischer an Masochismus. Die wärmende Sonne sorgte zwar für diverse Schweißtropfen auf dem Körper, aber die Vorstellung, sich komplett in die kühlen Fluten zu stürzen, kam mir dann doch etwas zu tollkühn vor. read more »

Gravlund Skogvoll

Unscheinbar liegt er einen Steinwurf vom Meer entfernt. Ursprünglich erregte ein großer Schwarm Wildgänse meine Aufmerksamkeit. Fast hätte ich die kleine eingezäunte Fläche neben der Straße übersehen. Doch das auf dem Wasser schwimmende scheue Federvieh duldete meine Anwesenheit nur kurz. Mein Blick folgte den Vögeln, als sie aufgeregt und wild schimpfend hinter einem Hügel auf der anderen Seite der Straße verschwanden. So sah ich zuerst einen steinernen Obelisk und anschließend die dunklen, metallischen Kreuze, deren Spitzen sich teils schief gen Himmel streckten. Eine alte Begräbnisstätte, die man scheinbar sich selbst überlassen hatte und deren Charme mich magisch anzog. Emporragende Gräser – die Höhe des einfachen Zauns, einem Holzpfosten-Drahtkonstrukts, fast übertreffend. Die wenigen Wege auf dem bescheidenen Friedhof – nur noch zu erahnen. Kleinere Kreuze und Grabsteine – von der Vegetation „verschlungen“. Mahnend der Vergänglichkeit des Lebens. Ein Wechselspiel aus Erinnern und Vergessen… read more »