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Und morgen Mittag bin ich tot – ein Film von Frederik Steiner

und morgen mittag bin ich totEin Film, der weder durch grandiose Bilder oder Spezialeffekt beeindruckt, noch durch Spannung oder den Atem raubende Actionszenen besticht. Und trotzdem bleibt der Film im Gedächtnis haften und wirft Fragen auf.

Die Geschichte erzählt relativ nüchtern und unspektakulär die letzten Tage der 22jährigen, unheilbar an Mukoviszidose erkrankten Lea – bemerkenswert von Liv Lisa Fries dargestellt. Sie will ihrem Leiden ein selbstbestimmtes Ende setzen und reist in die Schweiz, um die Dienste einer Sterbehilfeorganisation in Anspruch zu nehmen. Ihre Familie – Oma Maria, Mutter Hannah und Schwester Rita – informiert sie erst jetzt über ihrem Entschluss. Insbesondere die Mutter kann diese Entscheidung nicht akzeptieren und will ihre Tochter nicht „gehen“ lassen…

Beklemmend sind die Szenen, in denen Lea von Hustenanfällen gepeinigt zu ersticken droht. Es schnürt einem nahezu selbst die Kehle zu. Nachvollziehbar der Wunsch nach einem Ende. Dem Tod. Aber auch der egoistische Wunsch der Mutter, die Tochter möge weiterleben, ist in gewisser Weise verständlich. Eine bedrückende Situation, in der sich der Zuschauer fragt, wie er handeln würde.

Würde man solche Qualen bis zum Ende erleiden wollen und können? Oder würde man sich für den Freitod entscheiden?

Könnte man einem todkranken geliebten Menschen das selbstbestimmte Ende zugestehen? Oder wäre der eigene Egoismus größer?

Filmstart: 13.02.2014

Rest In Peace – Ein Dokumentarfilm von Andrea Morgenthaler

Bilder scheinbar endloser Reihen mumifizierter Leichen. Stehende und liegende Körper in kühl-blauer Atmosphäre. Vermeintlich grinsende schiefe Schädel, Gesichter zu einer Fratze verzogen, dunkle Augenhöhlen, aufgerissene Münder, Kleidungsfetzen verhüllen die Körper. Beschwingt-heitere Musik untermalt die Szenerie. Beeindruckende, schöne und friedliche Bilder. Eine ruhige Stimmung ausstrahlend. Und so natürlich. Rest in peace. Ruhe in Frieden.

Was geschieht nach dem Tod? Dieser oft gestellten Frage nähert sich der Film „Rest In Peace“ weniger aus religiöser oder spiritueller, als vielmehr aus einer praktischer Sichtweise. Welche unterschiedlichen Wege gehen die sterblichen Überreste? Die Antworten sind vielfältig.

Im Gegensatz zu den einleitenden Bildern aus der Kapuzinergruft in Palermo lässt mich die Arbeit des New Yorker Bestatters Isaiah Owens frösteln. Watte wird unter die Augenlider gestopft. Botox in schlaffe Gesichtspartien gespritzt. Ein letztes Mal wird der Sitz der Frisur geprüft, ehe die Trauergemeinde Abschied nehmen kann. Isaiah Owens: „Ich sorge dafür, dass die Leute so aussehen, als wären sie im Himmel.“ Für die Hinterbliebenen sicherlich ein tröstlicher Anblick, mich überfällt trotzdem ein unschöner Schauer, erscheint mir das Herrichten doch irgendwie überaus befremdlich. read more »

Wien ist…

Erinnerungen aus dem Jahr 2006

Wien ist anders.

Man spricht zwar Deutsch, aber so mancher deutschsprachige Tourist und Zugereiste reibt sich verwundert die Ohren, wenn er in eines der zahlreichen und leicht herbeigeführten Gespräche mit einem Einheimischen gerät. „Ich muss jetzt wirklich mal ausrasten!“ – Erschrocken sucht der Auswärtige nach den Gründen, warum der Gesprächspartner so plötzlich die Contenance verlieren mag. Unzählige Plätze zum AusrastenUnd findet selbstverständlich keine. Kommt ausrasten doch von dem Wort Rast und bedeutet letztendlich nichts anderes als „ausruhen“. Buh, noch mal Glück gehabt. Man kennt ja die Gepflogenheit eines so exotischen wie fremden Völkchens, wie es die Wiener nun mal sind, nicht wirklich. Sollte eine Kellnerin einmal fragen, ob man bedient sei, nimmt sie natürlich nicht an, dass der Gast die sprichwörtliche Schnauze voll hätte aufgrund des schlechten Services. Weitere ähnlich geartete Doppeldeutigkeiten können einen Wienaufenthalt zu einem amüsanten wie auch verwirrenden Erlebnis werden lassen. Manche Wortwahl lässt hingegen viel Spielraum – sind manche Wortschöpfungen doch in keiner Weise zu ergründen. Gerade Besucher aus dem nördlichen Teil der bundesdeutschen Republik dürften hier so ihre Probleme haben. Große virtuelle Fragezeichen sind fast vorprogrammiert. Ist der Wiener in seiner ganzen Art doch ein eher gemütlicher Zeitgenosse, der von Hektik und Stress ganz und gar nichts hält, kann er beim Sprechen urplötzlich auch schon mal einen Zahn zulegen. Verständlicher macht es die Angelegenheit selbstverständlich nicht. read more »