Verloren im Nebel: Die Suche nach einem verlassenen Sanatorium

Nach der Bewältigung diverser schmaler Serpentinen tauchen die ersten Gebäude des von mir anvisierten Ziels, einem ehemaligen Sanatorium, auf. Ein schmaler, steiniger Weg führt hinauf zu einem größeren Bauwerk. Zahlreiche leere Fensteraugen starren in die Ferne, ehe das Haus nur noch schemenhaft im wie aus dem Nichts aufgetauchten Nebel zu erkennen ist. Als wollte dieser seine schützende Hand über das verfallende Sanatorium legen. Doch den Zugang kann der dichte Schleier nicht verwehren.

Der Nebel lässt ein Gebäude des ehemaligen Sanatoriums langsam verschwinden

Prospekte, Hausordnung und zahlreiche Ansichtskarten liegen weit verstreut am Boden. Es scheint, als wäre dies einmal ein schöner Ort gewesen. Die einstige Eleganz ist zwischen zerbröselndem Beton, abblätterndem Putz und marodem Mauermerk allerdings nicht mehr zu erahnen. Zahlreiche Gäste und Angestellte dürften vor langer Zeit diese Räume belebt haben. Heute herrscht Einsamkeit und Stille. Einzig der langsam durch die Fensterhöhlen wabernde Nebel bildet geisterhafte Gestalten, die jedoch lautlos und ohne eine Spur zu hinterlassen umgehend wieder verschwinden.

Einige Serpentinen weiter oben führt ein anfänglich steil abfallender und rutschiger Pfad in den Wald hinein. Mit der Hoffnung, auf diesem Weg das Hauptgebäude des ehemaligen Sanatoriums zu erreichen, folge ich einem parallel verlaufenden Zaun. Dichter Nebel hängt zwischen den Bäumen und dämpft jegliche Farben und Konturen. Eine gespenstische Stimmung. Die Sicht gering. Sehr gering. Und plötzlich gibt der Nebel andeutungsweise den Blick auf ein großes Bauwerk frei. Wenige Sekunden später ist dieses aber wieder verschwunden. Eine Sinnestäuschung? Das Mauerwerk erschien so nah. Der Weg führt weiter nach unten. Und welch ein Glück – bevor eine scheinbar unüberwindbare Mauer begann, bot der Zaun einen Durchgang.

Auf der Suche nach weiteren Bauwerken führt ein Pfad durch den Wald

Ein weiterer kurzer, aber steiler Abstieg endet an einer senkrecht abfallenden Böschungsmauer. Durch mannshohes Gestrüpp, nassem Farn, Goldraute und Brennnesseln bahne ich mir einen Trampelpfad an der Mauerkrone entlang. Brombeerranken krallen sich an meiner Hose fest und zerren an meinen Ärmeln. Sind das die Wächter? Betreten verboten? Allmählich flacht die Mauer ab und endlich stehen mir alle Gebäude des verlassenen Sanatoriums zur Besichtigung zur Verfügung.

Die Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. Nässe drang durch Dächer, ließ die Deckenbalken verfaulen und zusammenstürzen. Eine Begehung ist größtenteils nicht ratsam. Nach einem Durchgang, der zwei Gebäude miteinander verbindet, stehe ich einer kleinen Kapelle gegenüber – ebenfalls bereits stark zerstört. Die Funktion eines Altars aus Holz als solcher ist nur noch zu vermuten. Das Dach kaum noch vorhanden. Trostlose Mauerreste umgrenzen die Kirche. Doch der kleine Turm mit einem Kreuz an der Spitze blieb erhalten.

Eine kleine Kapelle - dem Verfall preisgegeben

Der laufend in Bewegung befindliche und an einen lebenden Organismus erinnernde Nebel greift nach Bäumen und Gräsern und droht die Häuser zu verschlingen. Ein Rascheln lässt mich aufschrecken. Und auf einmal vernehme ich ein Wispern an meinen Ohren. Aber der Nebel ist gnadenlos und verhindert jegliche Kenntnis dessen, was da im undurchdringlichen Grau lauern mag. Einzig dunkle, unidentifizierbare Schemen gibt er mir zu erkennen. Doch würde ich ohne diesen dichten Schleier etwas sehen können? Höre ich die Stimmen der an dieser Stelle Verblichenen? Oder sind es nur die Stimmen einiger Wanderer, die der Nebel über eine weite Strecke transportiert? Ein eiskalter Schauer läuft über meinen Rücken. Bilder aus diversen Gruselfilmen tauchen vor dem geistigen Auge auf. Mehrmals blicke ich über die Schulter und sondiere die Lage. Der Nebel scheint mich zu verfolgen, mich zu umkreisen und mir den Durchgang versperren zu wollen.

Doch den Rückweg, der mich wieder durch Gestrüpp – diesmal bergauf – führt, kann ich ungehindert antreten. Unerwartet zieht sich der Nebel zurück und gibt die Sicht auf die Berggipfel gegenüber frei. Die Schneereste in Felsspalten leuchten weiß. Sonnenstrahlen wärmen die ausgekühlte Haut. Und ich trete die Heimfahrt an. Auf den Serpentinen abwärts ins Tal. Hinein in den dort lauernden Nebel.

Zahlreiche alte Postkarten bedecken den Boden Eine Begehung ist an vielen Stellen nicht ratsam Die Zerstörung schreitet voran
Die dunklen Spritzer an den Wänden erinnern an brutale Horrorfilme Der Verfall scheint unaufhaltsam Kurz taucht ein Gebäude aus dem undurchdringlichen Grau auf
Von der einstigen Eleganz ist nichts übrig geblieben Das Kreuz thront trotz massiven Verfalls weiterhin auf der Spitze der Kapelle Zurück in den Nebel...

2 Kommentare

  1. Geschrieben am 27. Oktober 2013 um 18:38 | Permalink

    Spooky! Ich muss irgendwie an Dario Argento’s Filme denken beim Sehen und Lesen…

  2. Geschrieben am 11. November 2013 um 16:31 | Permalink

    Sehr schön das Geisterhausflair eingefangen.

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