Die Top Fünf der bewegten Bilder

Es ist wieder „Gothic Friday“ und die beiden „Dirigenten“ desselbigen geben den Protagonisten zwei Themen zur Auswahl: Entweder soll eine Top Fünf mit den Titeln persönlich bevorzugter Filme oder mit gelungenen Cover-Versionen musikalischer Art gefüllt werden. Ausnahmsweise fällt die Wahl ziemlich leicht. Da ich vor einigen Wochen eine „Blogreihe“ unter dem Titel „Original vs. Kopie“ gestartet habe und geplanten künftigen Folgen nicht vorgreifen möchte, widme ich mich den bewegten Bildern.

Wohlgleich ich alles andere als ein regelmäßiger Kinogänger bin. Mein letzter Besuch reicht sicher ein halbes Jahr zurück. Bei meinen seltenen Ausflügen in das Dunkel cineastischer Säle greift zu meinem Leidwesen mehrfach Murphys Law. Mit an hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit setzt sich jemand vor mich, der mir in irgendeiner Art und Weise – zumindest teilweise – die Sicht auf das in diesem Moment einzig Wichtige, die Leinwand, versperrt. Und sollte wirklich einmal ein kleines Kind vor mir Platz nehmen, wehrt die Freude nicht lange. Verehrter Leser, wusstest Du, dass es Lichtspielhäuser gibt, die Sitzkissen anbieten? Damit überragt so ein kleines Wesen alle anderen Kinobesucher ohne weiteres. Man könnte natürlich nun auf den Gedanken kommen, selbst die Vorzüge eines solchen Kissens in Anspruch zu nehmen. Bisher hat dies aber der männliche Stolz vehement verhindert.
Irgendwann hat man dann aber überraschenderweise eine Sitzposition eingenommen, bei welcher sich die Sicht auf die Leinwand und das Verhindern von orthopädische Maßnahmen nach Ende des Films nicht gegenseitig ausschließen. Doch damit ist das persönliche Leid nicht beendet. Schließlich sitzt in Hörweite immer jemand, der sich von seiner Begleitung die Handlung erklären lassen muss (ob dies ein geschlechterspezifisches Phänomen ist, vermag ich nicht zu beurteilen). Zu guter Letzt wirkt sich bei einem Kinobesuch eine entscheidende Frage wesentlich aus – wobei die Antwort darauf unerheblich ist und die kommende Pein nicht verhindern kann, sondern einzig maßgeblich für eines von zwei Übeln ist: Fülle ich vor Betreten des Kinosaals meinen Flüssigkeitsspeicher auf? Man entscheidet sich damit zwischen dem aufreibenden Gefühl, ein dringendes menschliches Bedürfnis befriedigen, gleichzeitig aber keine Sekunde des Gezeigten verpassen zu wollen und der quälenden Empfindung, langsam aber stetig innerlich auszutrocknen. Zugegeben: einem in der Wüste spielenden Film, bei dem der Hauptdarsteller gegen einen grausamen Verdurstungstod kämpft, gäbe dies eine überaus realistische Note. Und nein: An der Kinokasse erworbene Getränke in den Saal mitzunehmen schafft keine Abhilfe. Aus bisher wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren Gründen suchen sich diese Durstlöscher nahezu in Überschallgeschwindigkeit ihren Weg durch den menschlichen Körper. Womit wir wieder bei der Befriedigung eines menschlichen Bedürfnis wären, welches sich nicht mit dem Wunsch, kein Detail des Films zu verpassen, verträgt.
Aber auch auf andere äußerlich auf mich einwirkende Umstände möchte ich gerne verzichten. So ergibt sich bei einem Film wie „Stalingrad“ durch eine ausgefallene Heizung im Winter letztendlich einfach ein zu realistischer Eindruck.

Aber eigentlich sollte ich ja über meine liebsten Filme schreiben. Und hier fiel die Auswahl dann doch nicht so leicht. Letztendlich habe ich mich ganz spontan entschieden, ohne den subkulturellen Kontext und eine bestimmte Reihenfolge zu sehr zu beachten:

Die fabelhafte Welt der Amélie
2001

„Amélie hat ihre eigene fabelhafte Welt. Sie liebt die kleinen Dinge, die leisen Töne, die zarten Gesten. Sie hat ein Auge für Details, die jedem anderen entgehen und einen Blick für magische Momente, die flüchtiger sind als ein Wimpernschlag. Amélie hat den Kopf über den Wolken, und steht dennoch mit beiden Beinen auf der Erde. Ihr kleines Universum ist bevölkert von suizidgefährdeten Goldfischen, gescheiterten Genies, sehnsuchtskranken Hypochondern und anderen skurrilen Gestalten. Als sie eines Tages beschließt, als gute Fee in das Leben ihrer Mitmenschen zu treten, weiß sie genau, was sie zu tun hat. Sie schickt einen Gartenzwerg auf Weltreise, zaubert jahrzehntelang verschollene Liebesbriefe wieder herbei und wird zum Schutz- und Racheengel in einer Person. Nur wenn es um ihr eigenes Glück geht, steht Amélie sich selbst im Weg. Und als sie sich in den schüchternen Nico verliebt, weiß sie sich kaum noch einen Rat – bis ihr ein guter Geist auf die Sprünge hilft…“

Die von Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen, Die Stadt der verlorenen Kinder) zauberhaft erzählte Geschichte mit ihren sanften Klängen und schönen Bildern hat mich sofort begeistert. Phantasievoll umgesetzt mit ungewöhnlichen Kamerafahrten, nicht alltäglichen Effekten wie beispielsweise animierten Fotografien und kleinen Details, die große Freude bereiten. Märchenhaft und magisch. Und mit Audrey Tautou eine perfekte Wahl für die Rolle der verträumten, die Welt teils mit naiven Augen betrachtende Amélie. Für mich persönlich trotz seiner Farbigkeit einer der besten Filme, der sich gegen den ebenfalls grandios von Regisseur Jeunet inszenierten, düstereren Film „Mathilde“ (auch hier Audrey Tautou in der Hauptrolle) durchgesetzt hat.

The Crow
1994

„An Halloween werden der Rockgitarrist Eric Draven und seine Freundin brutal ermordet. Ein Jahr später wird Eric von einer magischen Krähe wieder zum Leben erweckt. Unverwundbar und mit magischen Kräften ausgestattet, nimmt er unerbittlich Rache an den Mördern…“

Sinnen wir nicht alle manchmal ein klein wenig nach Rache? Haben wir nicht selbst oft den Wunsch und das Bedürfnis, die Despoten, die Halunken, die Verbrecher, die Leidbringenden dieser Welt zur unerbittlichen und gnadenlosen Rechenschaft zu ziehen?

Der Tod des Hauptdarstellers Brandon Lee während der Dreharbeiten gab dem Film sicherlich eine besonders dramatische Aura. Rankten sich damals doch die wildesten Gerüchte um den tragischen Vorfall während der Dreharbeiten. Verschwörungstheorien wurden aufgestellt. Ebenso wurde von einem familiären Fluch gesprochen (sein Vater – Bruce Lee – starb ebenfalls bei Dreharbeiten). Letztendlich stellte sich heraus, dass sich in der Waffe, mit welcher auf Brandon Lee in einer Szene geschossen wurde, noch Fragmente einer alten Patronenattrappe befanden, welche beim Abfeuern herausgeschleudert wurden und den Schauspieler tödlich verletzten. Einige Szenen mussten später mit einem Double gedreht und digital nachbearbeitet werden.

Wunderbar düstere Bilder. Regnerische Szenen in finsterer Umgebung. Und ein Soundtrack, welcher die dunkle Handlung perfekt musikalisch untermalt.

Arsen und Spitzenhäubchen
1944

„Zwei scheinbar harmlos-liebenswürdige alte Damen frönen einem seltsamen Hobby: Sie vergiften ältere Herren, die dann von ihrem Bruder im Keller mit militärischen Ehren beigesetzt werden. Durch Zufall entdeckt ihr Neffe Mortimer (Cary Grant) das makabere Treiben – aber kann man zwei alte Tanten verraten?“

Ein herrlich amüsanter Schwarz-Weiß-Streifen ohne Actionszenen und computergenerierte Animationen mit einem Cary Grant in Höchstform, dessen Mimik mir wiederholt ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert.

„Arsen und Spitzenhäubchen“ hat sich auch auf meinen Alltag ausgewirkt. Wenn ich manchmal die Treppe zu meiner Wohnung schnellen Schrittes voller unermesslichem Tatendrang „emporfliege“, rufe ich in Gedanken hin und wieder laut „Attacke!“ (siehe Szenen von 0:39 bis 0:49):

Nightmare before christmas
1993

„Der schreckliche Kürbiskönig Jack Skellington lebt in Halloween Town, wo ihn alle Einwohner respektieren. Doch dem gruseligen Skelett hängt Halloween mittlerweile zum Hals raus, weshalb er sich nach einem neuen Fest umsieht. Da stolpert er zufällig in das kleine Städtchen Christmas Town und ihm kommt die Idee, seiner Gemeinde ebenfalls ein Weihnachtsfest zu bescheren.“

Sicherlich keine Überraschung. Irgendwie musste Tim Burton einfach in dieser Liste auftauchen. Regie führte er hier zwar nicht, doch basiert dieses herrliche Stop-Motion-Werk auf einer Geschichte aus der Feder Burtons, der den Film im übrigen auch produziert hat.

Bei meiner persönlichen Uraufführung war ich anfänglich aufgrund der diversen musikalischen Einlagen etwas irritiert, befriedigte dies doch nicht meine allgemeinen Hörgewohnheiten. Diese Irritation legte sich aber schnell, bot bzw. bietet „Nightmare before christmas“ doch einige überaus amüsante musikalische Perlen.

Poll
2010

„Sommer 1914: Am Vorabend des Ersten Weltkrieges reist die 14-jährige Oda (Paula Beer) aus dem fernen Berlin nach Estland, um ihre verstorbene Mutter in deren Heimat zu bestatten. Doch es ist kein guter Zeitpunkt für eine Reise. Die Stimmung auf dem adligen Gutshof Poll ist vergiftet von der privaten und wissenschaftlichen Frustration ihres Vaters Ebbo (Edgar Selge), der Haltlosigkeit ihrer Tante Milla (Jeanette Hain), der feindseligen Haltung der einheimischen Dienerschaft und einem Massaker an estnischen Anarchisten, das ganz in der Nähe des Hofes passiert. Doch Oda schafft es die ganze Situation noch heikler zu gestalten. Von den Anzeichen des aufkommenden Unheils unbeeindruckt, versteckt die altkluge und widerspenstige Oda einen estnischen Revolutionär inmitten des elterlichen Anwesens. ‚Schnaps’, wie sich der verwundete Anarchist nennt, fasziniert das junge Mädchen. Die Begegnung der beiden wird ihr Leben für immer verändern.“

Der Film transportiert eine morbide Stimmung. Der Tod ist in gewisser Weise allgegenwärtig. Sei es nun in Form russischer Soldaten oder dem Labor des Vaters, in welchem zahlreiche Schädel und in Gläsern konservierte Leichenteile lagern. Die 1988 verstorbene Schriftstellerin Oda Schaefer, die den Regisseur Chris Kraus zu diesem Film inspirierte, schrieb:

O denk daran! Der Tod ist wie ein Kern
In dir und deinem Tagewerk verborgen,
Wie Haselnuss und heller Apfelstern,
Wie Pflaumensamt ihn einhüllt bis zum Morgen,
O denk daran, es nützt dir keine Flucht,
Er lebt in dir wie in der süßen Frucht.“

Weil mich „Poll“ mit seiner perfekten Symbiose aus beeindruckenden Kulissen, atemberaubenden Bildern, erstklassigen Schauspielern, bestens ausgearbeiteten Dialogen und meisterhaft abgestimmter Musik so begeistert hat, habe ich von meinen persönlichen Eindrücken auch schon ausführlich in diesem Blog berichtet: Poll – ein filmisches Meisterwerk.

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