Schöne Grüße von Jules Verne – Cimetiére de la Madelaine

Das Grab von Jules Verne lockt mich auf den Friedhof in Amiens. Grabstellen von Berühmtheiten interessieren mich für gewöhnlich nicht. Doch die Gestaltung der letzten Ruhestätte des Autors vieler unvergesslicher Geschichten verspricht einen besonderen Anblick. Der Cimetiére de la Madelaine begrüßt mich bei strahlendem Sonnenschein mit einem parkähnlichen Ambiente. Alter Baumbestand spendet viel Schatten. Und schon die ersten Schritte auf dem Hauptweg lassen mein Herz höher schlagen. Unglaublich viele Details ziehen den Blick auf sich. Eulen, filigrane Schmiedearbeiten, geheimnisvolle Zeichen – die Kamera klickt und klickt, was unausweichlich die Frage nach sich zieht, ob ich es bis zum Grab von Jules Verne schaffe? Skulpturen und Gargoyles zieren die verschiedenen Grabstätten, ehe in meinem Augenwinkel plötzlich und unvermittelt das ursprünglich anvisierte Ziel auftaucht und mich staunen lässt: Die steinerne Grabplatte hochstemmend reckt ein Mann seinen Oberkörper aus der Gruft – den Blick gen Himmel gerichtet und den Arm wie zum Gruß erhoben. Jules Verne grüßt seine Leserschaft. All jene, die seiner Phantasie folgten und folgen. Diese lebensgroße Abbildung fasziniert nicht nur mich. Die Sitzbank gegenüber wird von wechselnden „Pilgern“ eingenommen, die ihren Gedanken nachhängen. Nach einer Weile des Aufenthalts und der Erforschung der Skulptur von unterschiedlichen Seiten mache ich mich wieder auf den Weg…

Cimetiere de la Madelaine: Jules Verne

Kleine farbige Glasfenster in Mausoleen leuchten im Sonnenlicht in großer Vielfalt. Die Zeit arbeitet an den Bauwerken. Längst sind viele Scharniere verrostet und die Türen hängen schief in den Öffnungen. Vergangen. Zartes Spinnengewebe glitzert im Sonnenlicht. Ein verrosteter Helm zeugt von der Kriegsteilnahme des hier Begrabenen. Ich wundere mich, dass der Helm noch nicht gestohlen wurde. Geflügelte Stundengläser mahnen auch mich: die Zeit verrinnt. Unaufhaltsam. Kreuze in Stein und Metall und Holz. Große und kleine. Mit und ohne Christus. Hier und da entdecke ich auch Christus ohne Kreuz. Stehend, liegend, zerbrochen. Die Zeit… Daneben Efeuranken als Eroberer, als Nutznießer. Zierend, verbindend, verhüllend. Dem Verfallenden einen Mantel gebend. Ein wunderschöner Friedhof, der den Besuch mehr als wert war.

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Cimetiere de la Madelaine Cimetiere de la Madelaine Cimetiere de la Madelaine: Jules Verne

2 Kommentare

  1. Geschrieben am 5. Oktober 2013 um 15:05 | Permalink

    Herrlich! Echt wieder Hammer-Bilder – kannst Du gleich einige hier von dem Friedhof für den nächsten Friedhofsbildband vorsehen. 😉 Ich finde besonders das mit der Spinne am Kreuz klasse und dann noch so 10 weitere… 🙂

    Die Grabstätte von Jules Verne fasziniert mich. Weißt Du, was es damit auf sich hat? Was er uns damit sagen will? Er wird weiterleben über den Tod hinaus – das auf jeden Fall. Vielleicht war er auch der erste Zombie-Liebhaber?! Sieht jedenfalls so aus, dass ich da auch noch hin will. Frankreich steht eh ganz oben auf der langen Reiseliste.

  2. Marcus
    Geschrieben am 9. Oktober 2013 um 07:49 | Permalink

    Danke!
    Ob sich Jules Verne für die Gestaltung seiner Grabstätte selbst verantwortlich zeigt oder ob das eine Idee der Hinterbliebenen ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich sehe das wie Du: Jules Verne lebt über den Tod hinaus weiter. Solltest Du einmal in der Nähe von Amiens sein, dürfte ein Abstecher zu diesem Friedhof keine falsche Entscheidung sein.

1 Trackback

  1. von Spontis Wochenschau #11/2013 › Spontis am 25. Oktober 2013 um 15:24

    […] Schöne Grüße von Jules Verne | Gedankensplitter Stichwort “Tolle Bilder”. Gestorbene Legenden hinterlassen Pilgerstätten um ihrer zu gedenken. Markus Rietzsch folgt dem Ruf des Autors vieler fantastischen Geschichte und besucht den Friedhof in Amiens, auf dem Jule Verne begraben liegt. “Skulpturen und Gargoyles zieren die verschiedenen Grabstätten, ehe in meinem Augenwinkel plötzlich und unvermittelt das ursprünglich anvisierte Ziel auftaucht und mich staunen lässt: Die steinerne Grabplatte hochstemmend reckt ein Mann seinen Oberkörper aus der Gruft – den Blick gen Himmel gerichtet und den Arm wie zum Gruß erhoben. Jules Verne grüßt seine Leserschaft. All jene, die seiner Phantasie folgten und folgen. Diese lebensgroße Abbildung fasziniert nicht nur mich. Die Sitzbank gegenüber wird von wechselnden „Pilgern“ eingenommen, die ihren Gedanken nachhängen.“ […]

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