Die 5. Elektronische Nacht – Klangwelten abseits eingefahrener Pfade

Wiesbaden. Kurz nach 22 Uhr. Die fünfte elektronische Nacht empfängt mich mit sphärischen Klängen. Bisher sind nur einige wenige Gäste anwesend. So kann der Blick ungehindert schweifen und die Dekoration bewundert werden. Ich lasse mich auf einer alten Kirchenbank (!) nieder. Drei erstaunlich echt wirkende Grabsteine bilden die Front der Bühne, auf der M.Synthetic konzentriert hinter den Plattentellern steht. Zartes Spinnengewebe leuchtet im wechselnden Farbenspiel der Lichter. Ein einsamer Tänzer wiegt sich sanft zum Klang der Musik, die passend auf den im Hintergrund laufenden Stummfilm (Frankenstein) abgestimmt scheint. Rote Grablichter runden die überaus ansprechende Ästhetik ab.

Flyer 5. Elektronische Nacht Flyer 5. Elektronische Nacht

Nach der „düster-atmosphärischen Stunde“, die mit Filmmusik, Instrumentalem und Neoklassik entspannt den Abend oder besser gesagt die Nacht einleitete, folgt Musik der Gattungen New Wave, EBM, Minimal, Synthie Pop und auch Experimentelles wird nicht vergessen. Raum und Tanzfläche füllen sich zunehmend. Bekannte Gesichter tauchen aus der Dunkelheit auf und werden strahlend begrüßt. Zwischendurch erfreue ich mich an den teils unbekannten Klängen und an Stücken, die man sonst kaum außerhalb der eigenen vier Wände zu hören bekommt, ebenso wiederholt an der perfekten Atmosphäre. Um das eine oder andere Wort zu wechseln, zieht es Grüppchen nach draußen, wo glücklicherweise ein angenehmes Wetter wartet. Ob das die beiden Veranstalter so bestellt hatten?

So vergeht die Zeit wie im Flug. Als ich gegen 5 Uhr den Rückzug antrete, bevölkern noch ein paar Unentwegte die Tanzfläche. Auch vor dem Gebäude sind noch einige Gäste anzutreffen, die letzte Gedanken und Meinungen austauschen.

Eine tolle Nacht, für die sich die weite Anreise, die ich zudem für den Besuch einiger Friedhöfe in Offenbach und Frankfurt genutzt habe, mehr als gelohnt hat. Schwarze Klangwelten ohne musikalische Entgleisungen, wie man sie von diversen anderen Veranstaltungen, die auf eine breite Masse ausgelegt sind, kennt. Dazu angenehme und freundliche Gäste. Was will man mehr?

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