Frankfurter Hauptfriedhof: Ein Hauch von Genua

Eine Fülle an Skulpturen auf dem Frankfurter Hauptfriedhof sticht schnell ins Auge. Einige der steinernen „Beobachter“ haben eine Restaurierung erfahren und präsentieren sich strahlend und makellos. Auffällig ist aber auch die Menge an kopflosen Figuren. Als wäre eine dunkle Gestalt voller Zerstörungswut über den Friedhof gezogen. Den Griff eines großen Schwertes mit beiden Händen fest umklammernd. Wieder und wieder ausholend, um die schwere Klinge auf die Hälse der steinernen Opfer niedersausen zu lassen. Manche Bruchstelle erscheint frisch. Doch der Blick auf den Boden zeigt keine Köpfe. Womöglich sammelt der Schwertschwingende die Häupter aus Stein. Doch viele Figuren hat der Henker – auch „Lauf der Zeit“ genannt – verschont. So kann ich mich neben Bildwerkskunst aus „Massenproduktion“ wiederholt an individuell Gestaltetem erfreuen.

Melancholisch dreinblickende Schönheiten, Mütter mit ihren Kindern, musizierende Künstler. Und immer wieder Engel. Die überwiegend weiblichen Engel sind besonders fein in Stein modelliert. Die angedeuteten Schleier und Gewänder enthüllen mehr, als sie verdecken. Schön, elegant und erotisch. Lockend, lasziv. Manchmal auch strafend. Der berühmte Engel von Mondeverde ist nicht nur in Genua zu sehen. Auch in Frankfurt beeindruckt eine gewisse Distanziertheit die Besucher. Der Blick entrückt, die Arme vor dem Körper verschränkt, in einer Hand das Horn des Jüngsten Gerichts haltend.


An einem der Nebeneingänge lockt ein Arkadengang. So fühle ich mich ein weiteres Mal an Genua erinnert. Allerdings drängen sich in Italien die Skulpturen in zahlreichen Gängen. Doch auch in Frankfurt fesselt der lange Blick entlang der Bögen, die durch das seitlich einfallende Tageslicht wie auf einem Gemälde alter italienischer Meister nachgezeichnet werden. Hier befinden sich Familiengruften mit einigen schönen Statuen. Manche sind restauriert, manche zerbrochen, andere befinden sich womöglich im „Schönheitssalon“ oder wurden komplett zerstört. Etwas zum Schmunzeln brachte mich das „eiskalte Händchen“. Eine männliche Skulptur – gestützt von einem kopflosen Engel – wurde eines Stückchens Arm beraubt. So hält sich scheinbar eine einsame Hand an einer Erhöhung fest. Das Bild einer über den Boden sausenden abgetrennten Hand taucht unweigerlich vor dem geistigen Auge auf. Addams Family lässt grüßen.

Ein gerader Weg führt direkt auf die Tür eines runden Mausoleums mit Kuppeldach, dessen Architekt sich den 1502 erbauten Tempietto im Klosterhof von San Pietro in Montorio in Rom zum Vorbild nahm, zu. Anders als in Rom, wo der kleine dorische Rundtempel auf vier Seiten von Gemäuer umgeben ist, stört in Frankfurt höchstens die Natur den freien Blick auf das Gebäude. Wie eine Wand wirken die großen Bäume hinter dem Mausoleum, das der Mäzen und Kunstsammler Friedrich Ludwig von Gans im Jahr 1909 errichten ließ. Als wäre die Welt und die Zeit hier zu Ende.

Auf einem Hügel steht das Mausoleum Reichenbach-Lessonitz. Die kreuzförmige Grabkappelle aus rotem Sandstein ist mit diversen Ziertürmchen versehen. Das Adelsgeschlecht setzte mit diesem Bauwerk die imposante Reihe der Schlösser und Palais ihres Besitztums fort. Auch der letzte Adelssitz zeugt von Reichtum, Prunk und einem Hauch Verspieltheit.

Ein besonderes Erlebnis hält das Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege bereit. Direkt nach dem Betreten der schlichten runden Gedenkhalle mit einer nach oben offenen Kuppel überwältigt mich die außergewöhnliche Akustik. Ob vom Architekten gewollt oder reiner Zufall: Ein kräftiges Auftreten verwandelt sich in fernen Geschützdonner und hinterlässt ein Kribbeln auf der Haut. Doch auch sanfte Schritte, ja gar sonst unvernommene Geräusche wie das Knicken von Grashalmen hallen wider. Solch eine Akustik begeistert den Schlagzeuger wie auch das Kind in mir gleichermaßen und so wird jeder Winkel nach dem besten Klang untersucht…
















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